Ausschnitt aus: C. C. Vogel von Vogelstein: Der Bildhauer David D'Angers porträtiert Ludwig Tieck (1834); Museum der bildenden Künste Leipzig

Dorothea Tieck (1799–1841), die älteste Tochter Ludwig Tiecks, ist heute bekannt für ihre Übersetzungsarbeiten, die sie seit 1823 anonym für ihren Vater anfertigte. Großen Anteil hat sie vor allem an der Schlegel-Tieck'schen Shakespeare-Übersetzung, fertigte aber auch Übertragungen aus dem Spanischen (u.a. von Cervantes) an. Da von ihr nur wenige handschriftliche Dokumente überliefert sind, stellen die hier edierten 33 Briefe an den befreundeten Dichter und Anhänger Ludwig Tiecks Friedrich von Uechtritz (1800–1875) ein unverzichtbares Zeugnis der Lebensumstände und Gedankenwelten der tiefreligiösen Dorothea Tieck von 1831 bis zu ihrem Tod dar. Uechtritz galt ihr als einer der wenigen engen Freunde, dem sie sich auch in schwierigen Zeiten (nach dem Tod ihrer Mutter Amalie Alberti) anvertrauen konnte. So berichtete sie ihm nicht nur von unternommenen Reisen und dem Dresdner Theaterleben, sondern auch von ihrer inoffiziellen Übersetzungstätigkeit – mit der dringenden Bitte um Verschwiegenheit.

Um der Netzwerkstruktur der „Briefe und Texte aus dem intellektuellen Berlin um 1800“ Rechnung zu tragen, werden die gegebenenfalls auftretenden inhaltlichen Verbindungen zum Briefwechsel ihres Vaters mit Friedrich von Raumer aus der Zeit durch Verweise sichtbar gemacht.

Die Edition wird neben einer erstmals vollständigen Transkription der in der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften in Görlitz befindlichen Briefe auch die Veröffentlichung von acht bisher unedierten Briefen Dorothea Tiecks an Friedrich von Uechtritz bieten können. Ein Textvergleich mit der 1884 erschienenen, stark kürzenden Erstausgabe wird ebenfalls ermöglicht.

Projektverantwortliche: Anne Baillot & Sophia Zeil

(Für den Hinweis auf den Aufbewahrungsort sei herzlich Jochen Strobel in Marburg gedankt.)