Die Schriftstellerin Helmina von Chézy (1783-1856) ist in Berlin aufgewachsen als Enkeltochter der Dichterin Anna Louisa Karsch und Tochter der ebenfalls schreibenden Caroline von Klencke. In ihrem bewegten Leben mit Stationen wie Paris, Heidelberg, Dresden, Wien, München, Baden-Baden und Genf hat sie sich als Journalistin, Dichterin romantischer Poesie, Verfasserin von Reiseberichten und Erzählungen, Librettistin und Herausgeberin betätigt. Neben dem Schreiben ist sie zeitlebens durch ihr soziales Engagement und unkonventionelles Auftreten aufgefallen und angeeckt. In ihren Korrespondenzen lassen sich viele Versuche nachvollziehen, Allianzen mit Gleichgesinnten, besonders schreibenden Frauen, zu schmieden.

In dieser Edition werden mehrere Versionen und Texte aus ihrem Nachlass veröffentlicht, die im Rahmen eines besonders interessanten, jedoch unvollendeten Projektes entstanden sind: Mit einem zunächst als Essay, dann als Buchprojekt konzipierten Text sucht Helmina von Chézy 1844 literarisch und politisch den Schulterschluss mit Bettina von Arnim, indem sie im Anschluss an von Arnims Günderode-Roman und in Bezugnahme auf deren Armenbuch-Projekt einen fiktiven Brief der verstorbenen Caroline von Günderrode aus dem Totenreich an Bettina von Arnim richtet. Die über die Versionen des Textes „Die Günderode an Bettina“ hinaus präsentierten Briefe aus dem Umkreis der beiden Schriftstellerinnen dokumentieren den Kommunikationsraum schreibender Frauen in einem Zwischenbereich von Privatheit und Öffentlichkeit.