Briefe und Texte
aus dem intellektuellen
Berlin um 1800

Jahresbericht von August Boeckh an das Preußische Innenministerium, Sektion für Kultus und öffentlichen Unterricht (Berlin, 24. August 1814)

 

 

Faksimile Dipl. Umschrift Lesefassung Metadaten Entitäten XML Faksimile Dipl. Umschrift Lesefassung Metadaten Entitäten XML
 
 

Personen im Manuskript

Personengruppen im Manuskript

Werke im Manuskript

Orte im Manuskript

Humboldt-Universität zu Berlin / Universitätsarchiv
Weiterverwendung nur mit Genehmigung des Universitätsarchivs

ganze XML-Datei herunterladen powered by TEI

Aktuelle Seite

 
37 37

Einem hochpreißlichen Departement Abtheilung für den Cultus u öffentlichen Unterricht im
Ministerium des Innern giebt sich der Unterzeichnete die Ehre den durch §. 13. des
Reglements1 für das philologische Seminar verordneten Jahresbericht hierdurch
einzureichen.

Im Winterhalbeniahre 1813 - 1814. bestand das philologische Seminar nur
aus folgenden drei ordentlichen Mitgliedern,
1) Friedrich Aug. Ed. Wernicke aus Breslau,
2) Immanuel Herm. Fichte aus Berlin,
3) August Schröner aus Pommern,
und einem außerordentlichen,
Ferdinand Leps aus Zerbst.

Alle Übungen des Institutes wurden ungeachtet der geringen Anzahl der Mitglieder auch in
diesem Zeitraum gehalten, iedoch mit einigen Einschränkungen, welche letzt[ere] veranlasste.

1) Zu den Interpretationsübungen hatte der Director auf besonderes Verlangen der Mit=
glieder
einige Oden des Pindar gewählt,2 und es wurden in wöchentlich zwei Stunden
Nem. IX. XI. Isthm. I. III. VI. VII. mit vielem Fleiß und, was die ordentlichen Mit=
glieder
betrifft, mit besonderem Geschick erklärt, ohne welches es unmöglich gewesen
wäre, eine so bedeutende Zahl Pindarischer Gedichte in der angegebenen Zeit zu
absolviren. Die von Hrn Professor Buttmann angekündigten Übungen in der Aus=
legung der Ovidischen Fasten wurden in diesem halben Jahre nicht angestellt, um die
wenigen Mitglieder nicht über ihre Kräfte anzuspannen.

2) In der Vorlesung der von den Mitgliedern ausgearbeiteten Abhandlungen wurde fort=
gefahren, und dieselben sowohl von dem Director als den Studirenden in den Abend=
versammlungen beurtheilt, iedoch mit dieser durch die Umstände herbeigeführten Abwei=
chung von der Vorschrift des Reglements, daß nur alle vier Wochen eine hierzu bestim̄=
te Zusammenkunft gehalten wurde, in welcher iedes Mitglied nach der Reihe eine Abhand=
lung las, wovon auch der zuletzt genan̄te Ferdinand Leps nicht ausgeschlossen wurde,
obgleich er nur in der Eigenschaft eines außerordentlichen Mitgliedes aufgenommen
war. Die Titel derselben sind folgende:
I. Von Wernicke: Libellus Emendationum in poetas Graecos.3
II. Von Fichte: Dissertatio geographica de erroribus Ius. Pars I.4
III. Von Schröner: Primum chori, qui in Aeschÿli Agamemnone adest,
canticum in germana metra restitutum. Accedunt critices quae=
dam pericula.
5

IV. Von Leps: De Horatii carminum quorundam temporibus adversus
Bentleium dissertatio.
6

Die drei erstgenannten zeichnen sich, wiewohl auf verschiedene Weise vortheilhaft aus.
In der ersten finden sich sehr scharfsinnige u wohlbegründete Verbesserungen, welche von
nicht gemeinem Studium der griechschen Sprache u Litteratur hinreichende Beweise sind;
die zweite behandelt einen sehr dunklen Gegenstand mit Verstand, Klarheit und
geradem kritischen Sinn; die dritte ist voll Scharfsinn in der Auffindung der entspre=
chenden metrischen Glieder, aber allerdings in einer höchst dunklen, kaum verständ=
lichen Sprache geschrieben, da der Verfasser noch zu ungewandt und des Lateinischen Stiles
ganz u gar nicht mächtig ist, welchen Fehler iedoch sein Fleiß, gepaart mit der Ein=
sicht in seine Schwäche und mit einer heutzutage unter den Jünglingen seltenen Beschei=
denheit, mit der Zeit gewiß verbessern wird. Die vierte Abhandlung enthält nichts Ei=
genthümliches und zeigt keine hervorstechende Seite. Der Unterzeichnete legt daher
nach Inhalt des §. 13. des Reglements auch nur die drei erstern Ausarbeitungen
seinem Bericht mit der Bitte um die Zurücksendung derselben bei.

3) Die Discussion der vorgelegten Fragen aus dem Gebiete der Philologie wurde ganz
auf dieselbe Weise geleitet, wie im vorhergegangenen Jahre, und was der unterzeichnete
Director in seinem Bericht vom 26ten September 1813. hiervon gesagt hat, findet auch
in diesem Jahre vollkommen seine Anwendung, daher sich derselbe darauf beschränkt,
die vorgekommenen Aufgaben selbst h[...]hierher zu setzen:
1. Post Trÿphiodori vs. 27. optimus codex inscrit haec:
αἱματι δακρύσας ἐχύϑη πατρώϊος ἀνήρ.
Nemo, quantum video, de hoc versu aliquid monuit, quem tamen
corruptum esse omnino apparet.

Kommentare

1 Die Statuten des Seminars wurden von Hitzig im Berliner Universitätskalender 1813, S. 24–28, veröffentlicht.

2 Im Vorlesungsverzeichnis ursprünglich angekündigt waren „einige Stücke des Platon“ (Virmond (2011): Vorlesungen, S. 78).

3 Übersetzung: Kleine Schrift der Emendationen bei griechischen Dichtern.

4 Übersetzung: Geographische Erörterung über Irrtümer des Iustinus, Teil 1.

5 Übersetzung: Der erste Gesang des Chors in AischylosAgamemnon im richtigen Versmaß wiedergegeben. Kritiken begleiten diese Proben.

6 Übersetzung: Erörterung über die Zeitumstände bestimmter Oden des Horaz entgegen Bentley. Bentley veröffentlichte seine Horaz-Ausgabe erstmals 1711. In Boeckhs Bibliothek befand sich eine Ausgabe von 1764, Nr. 4 im Katalog meiner Bücher.

2. Apud Stob. Ecl. phÿs. lib. I. cap. 6. p. 174. ed. Heeren.7 incipit
Hermeticum carmen
περὶ εἱμαρμένης sic:
ἑπτὰ πολυπλανέες κατ᾽ ᾿Ολύμπιον ἀστέρες οὐδόν
εἱλεῦνται, μετὰ τοῖσιν ἀεὶ δ᾿ ἐπινήσεται αἰών.
Non capio illud ἐπινήσεται , &c.8

3. Quomodo explicandus locus Apollonii Rhodii IV, 565. ἴσσα τε Δυσ=
κέλαδός &c.?9

4. Quid sentiendum de Aeschÿli VII c. Theb. 206. ed. Schütz.10 ὦ φίλον Οἰδί=
που τέκος, ἔδεισ' ἀκούσασ᾽ &c.?11

5. Quomodo interpretanda sunt verba Ciceronis Divin. in Caecil. 8.
„Non enim singulos ferre sententias, sed universos constituere &c.“
?12

6. Quomodo vel explicandus sit vel emendandus locus Aeschÿl. Agam.
78. Ἄρης δ' οὐκ ἔνι χώρᾳ &c.13

7. Quid sentiendum sit de Aeschÿl. Agam. 148. τούτων αἰτῶ ξύμβολα
κρανᾶν &c.14

8. Qua ratione aut explicanda emendanda sunt verba Isaei de Hagn.
hered.
p. 292.
ὥστε εἶναι μὲν οὐχ ἱκανά, λειτουργεῖν δὲ μὴ ἄξια ?15

9. Cui oratio Isaei de Hagniae hereditate scripta est, is opes suas
ibi computatas centum et decem minis minores esse dicit, quam
opes Stratoclis p. 295. Sed calculi non constant. Qua ratione
igitur ille locus aut explicandus aut corrigendus est?

10. Num vulgata lectio Meleagri in carmine primo vs. 7. Ναρκισσόν
τε χορῶν Μελανιππίδον ἔγκυον ὅμνων, retinenda sit necne.

11. Quomodo locus Horatii Carm. 1, 35, 21 sqq. „Te spes est albo
rara fides colit &c.“ est intelligendus?
16

Nach Beendigung dieses Lehrcurses erkannte ein Hochpreißl. Dep. Abth. f. d Cultus u öff.
Unt.
unter dem 31. März 1814. auf Vorschlag des Directors folgende Prämien zu:
dem Stud. Wernicke 50 Thlr,
dem Stud. Fichte 120 Thlr, (für drei Semester)
dem Stud. Schröner 30 Thlr.

Vor Anfang der Sommervorlesungen traten aus der Anstalt aus:
1) Wernicke, welcher von der ersten Stiftung des Institutes an Mitglied dessel=
ben gewesen ist, seine guten Fähigkeiten mit vielem Fleiß ausgebildet hat,
und in Zukunft sich zu einem Universitätslehrer am meisten eignen möch=
te. Er befindet sich gegenwärtig als Hauslehrer bei Hrn Staatsrath
Uhden, und bereitet sich vor zur Annahme der Doctorwürde, wobei ihm
eine Unterstützung des hochpreißl. Departements als Entschädigung für die Kosten
(nach §. 12. des Regl. f. d. philol. Sem.) sehr zu wünschen wäre.

2) Leps, 1 ½ Jahr außerordentliches Mitglied, ein iunger Mann von vielem
Fleiß, aber geringen Fähigkeiten, welcher seine Fortschritte dadurch noch mehr
hemmte, daß er, aus Mangel an Auskom̄en, zu frühzeitig sich mit
Unterrichten beschäftigte. Er erhielt eine Unterlehrerstelle am Werderschen
Gÿmnasium
hierselbst, und wollte nebenbei das philolog. Seminar noch be=
suchen; der unterzeichnete Director gab ihm indeß den Rath, seine übrige
Zeit lieber auf Hörung einiger Vorlesungen zu verwenden, welches
ihm nützlicher seÿn konnte, als wenn er, ohne Collegia zu besuchen, an den
Übungen des Seminars theilnehmen wollte.

Statt dieser beiden wurden für das verflossene Halbeiahr 6 neue Mitglieder aufgenommen,
so daß das Institut wiederum aus 8 bestand:
1) I. H. Fichte aus Berlin,
2) A. Schröner aus Pommern,
3) Friedrich Osann aus Weimar,
4) Christian Stenger aus dem Herzogth.
Warschau, } ordentl. Mitglieder,
5) Eduard Gerhard aus Breslau,
6) Moriz Meier aus Glogau,
7) Johann Anton Grimm aus Lübeck,
und 8) Carl Ludw. Blum, aus dem Bernburgischen,17 außerordtl. Mitgl.

Kommentare

7 Die mehrbändige Ausgabe Heerens hat Boeckh als Nr. 259-262 im Katalog meiner Bücher verzeichnet.

8 Übersetzung: In Stobaeus' Eclogae physicae Buch 1, Kapitel 6, in der Edition von Heeren S. 174, beginnt das carmen Hermeticum περὶ εἱμαρμένης auf folgende Weise: ἑπτὰ πολυπλανέες κατ᾽ ᾿Ολύμπιον ἀστέρες οὐδόν εἱλεῦνται, μετὰ τοῖσιν ἀεὶ δ᾿ ἐπινήσεται αἰών. Ich verstehe das nicht: ἐπινήσεται etc.

9 Übersetzung: Wie ist die Stelle IV, 565. bei Apollonius Rhodius zu erklären: ἴσσα τε Δυσκέλαδός etc.?

10 Vermutlich ist hier die aktuelle Ausgabe von 1809 gemeint, die Erstausgabe erschien 1782. Beide Ausgaben waren in Boeckhs Bibliothek vorhanden, als Nr. 1348 und Nr. 29.

11 Übersetzung: Was ist zu halten von Aeschylos' Sieben gegen Theben, S. 206 in der Edition von Schütz: ὦ φίλον Οἰδίπου τέκος, ἔδεισ' ἀκούσασ᾽ etc.?

12 Übersetzung: Wie sind die Worte Ciceros in Divinatio in Caecilium 8 zu verstehen: „Non enim singulos ferre sententias, sed universos constituere etc.?

13 Übersetzung: Wie ist die Stelle in Aischylos' Agamemnon zu erklären oder zu emendieren: Ἄρης δ' οὐκ ἔνι χώρᾳ etc.

14 Übersetzung: Was sei zu halten von Aischylos' Agamemnon 148: τούτων αἰτῶ ξύμβολα κρανᾶν etc.

15 Übersetzung: Mit welcher Begründung können die Worte Isaeus' in De Hagniae hereditate S. 292 erklärt oder emendiert werden: ὥστε εἶναι μὲν οὐχ ἱκανά, λειτουργεῖν δὲ μὴ ἄξια ?

16 Übersetzung: Wie ist die Stelle in Horaz' Ode 1, 35, 21 etc. zu verstehen: „Te spes est albo
rara fides colit„?

17 Blum kommt nicht aus der Gegend um Bernburg (Saale), sondern aus Hanau.

38 38

Der Unterzeichnete freut sich bemerken zu können, daß dieselben sämmtlich durch Fleiß,
Ordnungsliebe, wissenschaftlichen Sinn und größtentheils auch durch vorzügliche Ken̄tnisse sich
ausgezeichnet haben; und fügt nur wegen der Studiosen Gerhard u Meier hinzu, daß er nach
Aufnahme derselben von ihrer Ausstoßung aus dem philolog. Seminar zu Breslau gehört
habe und dadurch gewissermaßen in Verlegenheit gesetzt worden sei, wie er in dieser Hinsicht
sich zu verhalten habe: da ihm indessen nach eingezogener Erkundigung ihr Vergehen bloß
ein ubnüberlegter iugendlicher Streich schien, welcher durch die Ausschließung aus dem Seminar zu Bres=
lau
schon grausam bestraft wäre, da ferner eine große Härte darin gelegen hätte, we=
gen einer so außerordentlich unbedeutenden Sache dieselben auch auf hiesiger U=
niversität
eines ihrer Studien vorzüglich angemessenen Bildungsmittels zu berauben,
und außerdem weder eine amtliche Anzeige an den Director gekommen war, noch das
Reglement für das philol. Sem. über einen solchen Fall etwas feststellt; so glaubte er,
daß diese Sache auf sein Urtheil über diese Jünglinge keinen größern Einfluß haben
dürfte, als daß er das Benehmen derselben schärfer zu beobachten hätte. Indem er dieses
beständig that, kan̄ er umsomehr versichern, daß sie niemals irgend einen Anlaß zur
Unzufriedenheit gaben, u wegen ihres Eifers, ihrer Fähigkeiten u Ken̄tnisse sogar besonderes
Lob verdienen.

Was die Übungen dieses halben Jahres betrifft, so wurden folgende Gegenstände behandelt:
1) Die Mitglieder erklärten Platons Republik, lib. II, cap. II. bis zu Ende; wenig, aber
mit großer Genauigkeit. Hr Prof. Buttmann musste die angefangene Auslegung der ovid. Fasten wegen
großer Heiserkeit bald wieder aufgeben.

2) Abhandlungen wurden 6 gelesen, wovon einige wegen ihres größern Umfanges mehr als
eine Zusammenkunft erforderten:
I. Von Fichte: Dissertatio geographica de Ius erroribus pars II.18
II. Von Schröner: Melica Aeschÿli Persarum ἔξοδος, in iusta, ut videtur,
membra describitur.

III. Von Osann: Animadversiones criticae in minora, quae feruntur,
Homeri carmina.
19

IV. Von Stenger: Persii satira secunda explicata.20
V. Von Gerhard: De digamma Aeolici usu Homerico.21
VI. Von Meier: De permutatis verborum generibus in lingua
Graeca
.22

Die 7te von Grimm, de tropaeis veterum,23 konnte aus Mangel an Zeit nicht mehr
vorgelesen werden, und der Director begnügt sich daher, die sechs andern einem hochpreißl.
Dep. vorzulegen, mit dem Bemerken, daß die erste von Fichte, diss. geogr. de Ius
erroribus P. II.
dem oben schon berührten ersten Theil derselben angehängt ist,

und mit der Bitte um Zurücksendung derselben.
Von Num. I. II. gilt dasselbe, was bereits oben von den frühern Abhandlungen derselben
Verfasser bemerkt worden ist; Num. V. zeichnet sich sehr vortheilhaft aus; Num. III. VI.
stehen der Abhandlung Num. V. etwas nach, verdienen aber dessen ungeachtet Lob;
Num. IV. ist die schwächste.

3) Außerdem wurden folgende Aufgaben mündlich gelöst:
1. Expediantur Sophoclis Philoct. vss. 1018.1019. τοὺς ϑεοὺς εὐξέαϑ᾿ ἐμοῦ &c.
2. Quomodo explicanda sunt verba Ciceronis trad. I,6. „Nihil est enim, quod
non alicubi esse cogatur“?
24

3. Num refugit in Hor. Epist. II, 2, 171. defendi potest?
4. Quid de Xenophontis Memorab. I, 4, 16. πολυχρονιώτατα καὶ σοφώτατα τῶν
ἀνθρωπίνων & de interpretum de loco hoc sententiis iudicandum sit.

5. Quid de verbis Ciceronis de Or. I, 19. „Excitabatur homo promptus &c.“
sentiendum ist.

6. Lux fiat loco Xenoph. Anab. II, 2, 9. ταῦτα δ' ὤμοσαν σφάξαντες κάπρον
καὶ κριὸν καὶ ταῦρον καὶ λύκον , &c.

7. Quid statuendum de Homerico Hÿmn. in Mercur.25 409 sqq. ὣς ἄρ ἔφη καὶ
χερσὶ &c.?

8. Illustretur aut emendetur Soph. Trach. 910. 911. αὐτὴ τὸν αὐτῆς &c.
9. Quomodo aut intelligendus aut emendandus sit versus Hesiod. Op. & D.
145. ἐκ μελιᾶν &c.

10. Quomodo explicandus est locus Theocrit. Id. I, 102. 103. ἤδη γὰρ φράσδει
&c.?

11. Explicandum propono Sophocl. Trach. 220. ἰδοῦ μ᾽ ἀναταράσσει &c.
12. Utrum infinitivus γνώμεναι Odÿss. I, 411. active sumundus sit an
passive.
Eine unbedeutende Frage.

Kommentare

18 Übersetzung: Geographische Erörterung über Irrtümer des Iustinus, Teil 2.

19 Übersetzung: Kritische Beobachtungen in den sogenannten kleineren Dichtungen Homers. Hier handelt es sich vermutlich um die Homerischen Hymnen, deren Echtheit jedoch umstritten ist.

20 Übersetzung: Die zweite Satire des Persius erörtert.

21 Übersetzung: Über das äolische Digamma im Gebrauch bei Homer.

22 Übersetzung: Über Wortarten in der griechischen Sprache, die sich verändert haben.

23 Übersetzung: Über die Siegeszeichen der Alten.

24 Es handelt sich hier um ein Zitat aus Ciceros Academici.

25 Der römische Gott Merkur heißt in der griechischen Mythologie Hermes, weshalb hier vermutlich die Hymne an Hermes gemeint ist. Die Verfasserschaft Homers ist umstritten.

13. Quaeritur de carmine quodam Horatii nomen ferente, quod
Jo. Müllerus in epistolis profert, sitne genuinum nec ne.

14. Quomodo interpretandus locus Platonis Lÿsid. §. 29. ἢ αὐτὸν
τὸν Δαρεῖον &c.?

15. Quaenam in Aeschÿli Agam. 706. κελσάντων Σιμόεντος ἀκτὰς
ἐπ᾽ ἀξιφύλλους, quaerenda medicina est?

Der unterzeichnete Director giebt sich die Ehre mit dieser Übersicht der Arbeiten
des philologischen Seminars die Vorschläge zu Prämien für die Mitglieder desselben
in Beziehung auf den Som̄er 1814. zu verbinden. Er glaubt nach Abwägung der
Ken̄tnisse, des Fleißes, der Fähigkeiten u der Bedürftigkeit derselben und mit billiger
Rücksicht auf die längere oder kürzere Zeit, welche dieselben schon in dem Institut
zugebracht haben, die Vertheilung der ausgesetzten Summe nicht passender und
für die iungen Männer aufmunternder einrichten zu können, als wenn er
für
den Studiosus Fichte eine Prämie von 45 Thlrn
——————— Schröner ——————— 40 ——
——————— Osann ————————— 25 ——
——————— Gerhard ———————— 25 ——
——————— Meier ————————— 25 ——
——————— Stenger ———————— 20 ——
——————— Grimm ————————— 20 ——
in Vorschlag bringt, und bittet eine hochpreißl. Abthg- Departement um die hohe Genehmi=
gung dieses Antrages.

Nachträglich liefert der Unterzeichnete von den in dem Rescript vom 7. October
1813.
26 vermissten vier Probearbeiten27 des Winterhalbeniahres 1812 – 1813. Drei
mit der Bitte um deren Zurücksendung ein, und bedauert die vierte von dem
aus dem Felde zurückgekehrten Verfasser noch nicht erhalten zu haben.

der Director des philologischen
Seminars
der hiesigen Universität.
Böckh.
a

a Mundirt
[...]

Kommentare

26 Dies war die Antwort auf Boeckhs Jahresbericht vom 26. September 1813, in der die Mitarbeiter des Departements ihre „völlige Zufriedenheit“ mit Boeckhs Leitung bekundeten, jedoch in Bezug auf das Reglement künftig das Beilegen der Probearbeiten der Seminaristen forderten (HU, Universitätsarchiv, Phil. Fak. 99, Bl. 34).

27 Es handelt sich um folgende, im Jahresbericht vom 26. September 1813 genannte Arbeiten: von Helmholtz „De indole tragoediae Græcæ“, von Pfefferkorn „Historia artis oratoriæ apud Romanos ante Ciceronem“, von Wernicke „De Priapeis atque eorum auctoribus“ und von Hasselbach „De Philocteta Sophoclis“.

a

Einem hochpreißlichen Departement Abtheilung für den Cultus und öffentlichen Unterricht im Ministerium des Innern giebt sich der Unterzeichnete die Ehre den durch §. 13. des Reglements1 für das philologische Seminar verordneten Jahresbericht hierdurch einzureichen.

Im Winterhalbeniahre 1813 - 1814. bestand das philologische Seminar nur aus folgenden drei ordentlichen Mitgliedern,
1) Friedrich August Eduard Wernicke aus Breslau,
2) Immanuel Hermann Fichte aus Berlin,
3) August Schröner aus Pommern,
und einem außerordentlichen,
Ferdinand Leps aus Zerbst.

Alle Übungen des Institutes wurden ungeachtet der geringen Anzahl der Mitglieder auch in diesem Zeitraum gehalten, iedoch mit einigen Einschränkungen, welche letzt[ere] veranlasste.

1) Zu den Interpretationsübungen hatte der Director auf besonderes Verlangen der Mitglieder einige Oden des Pindar gewählt,2 und es wurden in wöchentlich zwei Stunden Nemea IX. XI. Isthmia I. III. VI. VII. mit vielem Fleiß und, was die ordentlichen Mitglieder betrifft, mit besonderem Geschick erklärt, ohne welches es unmöglich gewesen wäre, eine so bedeutende Zahl Pindarischer Gedichte in der angegebenen Zeit zu absolviren. Die von Herrn Professor Buttmann angekündigten Übungen in der Auslegung der Ovidischen Fasten wurden in diesem halben Jahre nicht angestellt, um die wenigen Mitglieder nicht über ihre Kräfte anzuspannen.

2) In der Vorlesung der von den Mitgliedern ausgearbeiteten Abhandlungen wurde fortgefahren, und dieselben sowohl von dem Director als den Studirenden in den Abendversammlungen beurtheilt, iedoch mit dieser durch die Umstände herbeigeführten Abweichung von der Vorschrift des Reglements, daß nur alle vier Wochen eine hierzu bestimmte Zusammenkunft gehalten wurde, in welcher iedes Mitglied nach der Reihe eine Abhandlung las, wovon auch der zuletzt genannte Ferdinand Leps nicht ausgeschlossen wurde, obgleich er nur in der Eigenschaft eines außerordentlichen Mitgliedes aufgenommen war. Die Titel derselben sind folgende:
I. Von Wernicke: Libellus Emendationum in poetas Graecos.3
II. Von Fichte: Dissertatio geographica de erroribus Iustini. Pars I.4
III. Von Schröner: Primum chori, qui in Aeschyli Agamemnone adest, canticum in germana metra restitutum. Accedunt critices quaedam pericula.5
IV. Von Leps: De Horatii carminum quorundam temporibus adversus Bentleium dissertatio.6

Die drei erstgenannten zeichnen sich, wiewohl auf verschiedene Weise vortheilhaft aus. In der ersten finden sich sehr scharfsinnige und wohlbegründete Verbesserungen, welche von nicht gemeinem Studium der griechschen Sprache und Litteratur hinreichende Beweise sind; die zweite behandelt einen sehr dunklen Gegenstand mit Verstand, Klarheit und geradem kritischen Sinn; die dritte ist voll Scharfsinn in der Auffindung der entsprechenden metrischen Glieder, aber allerdings in einer höchst dunklen, kaum verständlichen Sprache geschrieben, da der Verfasser noch zu ungewandt und des Lateinischen Stiles ganz und gar nicht mächtig ist, welchen Fehler iedoch sein Fleiß, gepaart mit der Einsicht in seine Schwäche und mit einer heutzutage unter den Jünglingen seltenen Bescheidenheit, mit der Zeit gewiß verbessern wird. Die vierte Abhandlung enthält nichts Eigenthümliches und zeigt keine hervorstechende Seite. Der Unterzeichnete legt daher nach Inhalt des §. 13. des Reglements auch nur die drei erstern Ausarbeitungen seinem Bericht mit der Bitte um die Zurücksendung derselben bei.

3) Die Discussion der vorgelegten Fragen aus dem Gebiete der Philologie wurde ganz auf dieselbe Weise geleitet, wie im vorhergegangenen Jahre, und was der unterzeichnete Director in seinem Bericht vom 26ten September 1813. hiervon gesagt hat, findet auch in diesem Jahre vollkommen seine Anwendung, daher sich derselbe darauf beschränkt, die vorgekommenen Aufgaben selbst hierher zu setzen:
1. Post Tryphiodori versus 27. optimus codex inscrit haec: αἱματι δακρύσας ἐχύϑη πατρώϊος ἀνήρ. Nemo, quantum video, de hoc versu aliquid monuit, quem tamen corruptum esse omnino apparet.

a 37

Kommentare

1 Die Statuten des Seminars wurden von Hitzig im Berliner Universitätskalender 1813, S. 24–28, veröffentlicht.

2 Im Vorlesungsverzeichnis ursprünglich angekündigt waren „einige Stücke des Platon“ (Virmond (2011): Vorlesungen, S. 78).

3 Übersetzung: Kleine Schrift der Emendationen bei griechischen Dichtern.

4 Übersetzung: Geographische Erörterung über Irrtümer des Iustinus, Teil 1.

5 Übersetzung: Der erste Gesang des Chors in AischylosAgamemnon im richtigen Versmaß wiedergegeben. Kritiken begleiten diese Proben.

6 Übersetzung: Erörterung über die Zeitumstände bestimmter Oden des Horaz entgegen Bentley. Bentley veröffentlichte seine Horaz-Ausgabe erstmals 1711. In Boeckhs Bibliothek befand sich eine Ausgabe von 1764, Nr. 4 im Katalog meiner Bücher.

2. Apud Stobaeus Eclogae physicae liber I. caput 6. pagina 174. edidit Heeren.7 incipit Hermeticum carmen περὶ εἱμαρμένης sic: ἑπτὰ πολυπλανέες κατ᾽ ᾿Ολύμπιον ἀστέρες οὐδόν εἱλεῦνται, μετὰ τοῖσιν ἀεὶ δ᾿ ἐπινήσεται αἰών. Non capio illud ἐπινήσεται , et cetera.8
3. Quomodo explicandus locus Apollonii Rhodii IV, 565. ἴσσα τε Δυσκέλαδός et cetera?9
4. Quid sentiendum de Aeschyli VII contra Thebas 206. edidit Schütz.10 ὦ φίλον Οἰδίπου τέκος, ἔδεισ' ἀκούσασ᾽ et cetera?11
5. Quomodo interpretanda sunt verba Ciceronis Divinatio in Caecilium 8. „Non enim singulos ferre sententias, sed universos constituere et cetera“?12
6. Quomodo vel explicandus sit vel emendandus locus Aeschyli Agamemnone 78. Ἄρης δ' οὐκ ἔνι χώρᾳ et cetera.13
7. Quid sentiendum sit de Aeschyl Agam 148. τούτων αἰτῶ ξύμβολα κρανᾶν et cetera.14
8. Qua ratione aut explicanda emendanda sunt verba Isaei de Hagniae hereditate pagina 292. ὥστε εἶναι μὲν οὐχ ἱκανά, λειτουργεῖν δὲ μὴ ἄξια ?15
9. Cui oratio Isaei de Hagniae hereditate scripta est, is opes suas ibi computatas centum et decem minis minores esse dicit, quam opes Stratoclis pagina 295. Sed calculi non constant. Qua ratione igitur ille locus aut explicandus aut corrigendus est?
10. Num vulgata lectio Meleagri in carmine primo versus 7. Ναρκισσόν τε χορῶν Μελανιππίδον ἔγκυον ὅμνων, retinenda sit necne.
11. Quomodo locus Horatii Carminum 1, 35, 21 sequentia „Te spes est albo rara fides colit et cetera“ est intelligendus?16

Nach Beendigung dieses Lehrcurses erkannte ein Hochpreißliches Departement Abtheilung für den Cultus und öffentlichen Unterricht unter dem 31. März 1814. auf Vorschlag des Directors folgende Prämien zu:
dem Studiosus Wernicke 50 Thaler,
dem Studiosus Fichte 120 Thaler, (für drei Semester)
dem Studiosus Schröner 30 Thaler.

Vor Anfang der Sommervorlesungen traten aus der Anstalt aus:
1) Wernicke, welcher von der ersten Stiftung des Institutes an Mitglied desselben gewesen ist, seine guten Fähigkeiten mit vielem Fleiß ausgebildet hat, und in Zukunft sich zu einem Universitätslehrer am meisten eignen möchte. Er befindet sich gegenwärtig als Hauslehrer bei Herrn Staatsrath Uhden, und bereitet sich vor zur Annahme der Doctorwürde, wobei ihm eine Unterstützung des hochpreißlichen Departements als Entschädigung für die Kosten (nach §. 12. des Reglements für das philologische Seminar) sehr zu wünschen wäre.
2) Leps, 1 ½ Jahr außerordentliches Mitglied, ein iunger Mann von vielem Fleiß, aber geringen Fähigkeiten, welcher seine Fortschritte dadurch noch mehr hemmte, daß er, aus Mangel an Auskommen, zu frühzeitig sich mit Unterrichten beschäftigte. Er erhielt eine Unterlehrerstelle am Werderschen Gymnasium hierselbst, und wollte nebenbei das philologische Seminar noch besuchen; der unterzeichnete Director gab ihm indeß den Rath, seine übrige Zeit lieber auf Hörung einiger Vorlesungen zu verwenden, welches ihm nützlicher seyn konnte, als wenn er, ohne Collegia zu besuchen, an den Übungen des Seminars theilnehmen wollte.

Statt dieser beiden wurden für das verflossene Halbeiahr 6 neue Mitglieder aufgenommen, so daß das Institut wiederum aus 8 bestand:
1) Immanuel Hermann Fichte aus Berlin, ordentliche Mitglieder,
2) August Schröner aus Pommern, ordentliche Mitglieder,
3) Friedrich Osann aus Weimar, ordentliche Mitglieder,
4) Christian Stenger aus dem Herzogthum Warschau, } ordentliche Mitglieder, 5) Eduard Gerhard aus Breslau, ordentliche Mitglieder,
6) Moriz Meier aus Glogau, ordentliche Mitglieder,
7) Johann Anton Grimm aus Lübeck, ordentliche Mitglieder,
und 8) Carl Ludwig Blum, aus dem Bernburgischen,17 außerordentliches Mitglied.

Kommentare

7 Die mehrbändige Ausgabe Heerens hat Boeckh als Nr. 259-262 im Katalog meiner Bücher verzeichnet.

8 Übersetzung: In Stobaeus' Eclogae physicae Buch 1, Kapitel 6, in der Edition von Heeren S. 174, beginnt das carmen Hermeticum περὶ εἱμαρμένης auf folgende Weise: ἑπτὰ πολυπλανέες κατ᾽ ᾿Ολύμπιον ἀστέρες οὐδόν εἱλεῦνται, μετὰ τοῖσιν ἀεὶ δ᾿ ἐπινήσεται αἰών. Ich verstehe das nicht: ἐπινήσεται etc.

9 Übersetzung: Wie ist die Stelle IV, 565. bei Apollonius Rhodius zu erklären: ἴσσα τε Δυσκέλαδός etc.?

10 Vermutlich ist hier die aktuelle Ausgabe von 1809 gemeint, die Erstausgabe erschien 1782. Beide Ausgaben waren in Boeckhs Bibliothek vorhanden, als Nr. 1348 und Nr. 29.

11 Übersetzung: Was ist zu halten von Aeschylos' Sieben gegen Theben, S. 206 in der Edition von Schütz: ὦ φίλον Οἰδίπου τέκος, ἔδεισ' ἀκούσασ᾽ etc.?

12 Übersetzung: Wie sind die Worte Ciceros in Divinatio in Caecilium 8 zu verstehen: „Non enim singulos ferre sententias, sed universos constituere etc.?

13 Übersetzung: Wie ist die Stelle in Aischylos' Agamemnon zu erklären oder zu emendieren: Ἄρης δ' οὐκ ἔνι χώρᾳ etc.

14 Übersetzung: Was sei zu halten von Aischylos' Agamemnon 148: τούτων αἰτῶ ξύμβολα κρανᾶν etc.

15 Übersetzung: Mit welcher Begründung können die Worte Isaeus' in De Hagniae hereditate S. 292 erklärt oder emendiert werden: ὥστε εἶναι μὲν οὐχ ἱκανά, λειτουργεῖν δὲ μὴ ἄξια ?

16 Übersetzung: Wie ist die Stelle in Horaz' Ode 1, 35, 21 etc. zu verstehen: „Te spes est albo rara fides colit„?

17 Blum kommt nicht aus der Gegend um Bernburg (Saale), sondern aus Hanau.

a

Der Unterzeichnete freut sich bemerken zu können, daß dieselben sämmtlich durch Fleiß, Ordnungsliebe, wissenschaftlichen Sinn und größtentheils auch durch vorzügliche Kenntnisse sich ausgezeichnet haben; und fügt nur wegen der Studiosen Gerhard und Meier hinzu, daß er nach Aufnahme derselben von ihrer Ausstoßung aus dem philologischen Seminar zu Breslau gehört habe und dadurch gewissermaßen in Verlegenheit gesetzt worden sei, wie er in dieser Hinsicht sich zu verhalten habe: da ihm indessen nach eingezogener Erkundigung ihr Vergehen bloß ein unüberlegter iugendlicher Streich schien, welcher durch die Ausschließung aus dem Seminar zu Breslau schon grausam bestraft wäre, da ferner eine große Härte darin gelegen hätte, wegen einer so außerordentlich unbedeutenden Sache dieselben auch auf hiesiger Universität eines ihrer Studien vorzüglich angemessenen Bildungsmittels zu berauben, und außerdem weder eine amtliche Anzeige an den Director gekommen war, noch das Reglement für das philologische Seminar über einen solchen Fall etwas feststellt; so glaubte er, daß diese Sache auf sein Urtheil über diese Jünglinge keinen größern Einfluß haben dürfte, als daß er das Benehmen derselben schärfer zu beobachten hätte. Indem er dieses beständig that, kann er umsomehr versichern, daß sie niemals irgend einen Anlaß zur Unzufriedenheit gaben, und wegen ihres Eifers, ihrer Fähigkeiten und Kenntnisse sogar besonderes Lob verdienen.

Was die Übungen dieses halben Jahres betrifft, so wurden folgende Gegenstände behandelt:
1) Die Mitglieder erklärten Platons Republik, liber II, caput II. bis zu Ende; wenig, aber mit großer Genauigkeit. Herr Professor Buttmann musste die angefangene Auslegung der ovidischen Fasten wegen großer Heiserkeit bald wieder aufgeben.
2) Abhandlungen wurden 6 gelesen, wovon einige wegen ihres größern Umfanges mehr als eine Zusammenkunft erforderten:
I. Von Fichte: Dissertatio geographica de Iustini erroribus pars II.18
II. Von Schröner: Melica Aeschyli Persarum ἔξοδος, in iusta, ut videtur, membra describitur.
III. Von Osann: Animadversiones criticae in minora, quae feruntur, Homeri carmina.19
IV. Von Stenger: Persii satira secunda explicata.20
V. Von Gerhard: De digamma Aeolici usu Homerico.21
VI. Von Meier: De permutatis verborum generibus in lingua Graeca.22

Die 7te von Grimm, de tropaeis veterum,23 konnte aus Mangel an Zeit nicht mehr vorgelesen werden, und der Director begnügt sich daher, die sechs andern einem hochpreißlichen Departement vorzulegen, mit dem Bemerken, daß die erste von Fichte, dissertatio geographica de Iustini erroribus Pars II. dem oben schon berührten ersten Theil derselben angehängt ist, und mit der Bitte um Zurücksendung derselben.
Von Nummer I. II. gilt dasselbe, was bereits oben von den frühern Abhandlungen derselben Verfasser bemerkt worden ist; Nummer V. zeichnet sich sehr vortheilhaft aus; Nummer III. VI. stehen der Abhandlung Nummer V. etwas nach, verdienen aber dessen ungeachtet Lob; Nummer IV. ist die schwächste.

3) Außerdem wurden folgende Aufgaben mündlich gelöst:
1. Expediantur Sophoclis Philoctetes vers. 1018.1019. τοὺς ϑεοὺς εὐξέαϑ᾿ ἐμοῦ &c.
2. Quomodo explicanda sunt verba Ciceronis trad. I,6. „Nihil est enim, quod non alicubi esse cogatur“? 24
3. Num refugit in Horatii Epistula II, 2, 171. defendi potest?
4. Quid de Xenophontis Memorabilia I, 4, 16. πολυχρονιώτατα καὶ σοφώτατα τῶν ἀνθρωπίνων & de interpretum de loco hoc sententiis iudicandum sit.
5. Quid de verbis Ciceronis de Oratore I, 19. „Excitabatur homo promptus et cetera“ sentiendum ist.
6. Lux fiat loco Xenophontis Anabasis II, 2, 9. ταῦτα δ' ὤμοσαν σφάξαντες κάπρον καὶ κριὸν καὶ ταῦρον καὶ λύκον , et cetera.
7. Quid statuendum de Homerico Hymn. in Mercur.25 409 sequentia ὣς ἄρ ἔφη καὶ χερσὶ et cetera?
8. Illustretur aut emendetur Sophoclis Trach. 910. 911. αὐτὴ τὸν αὐτῆς et cetera.
9. Quomodo aut intelligendus aut emendandus sit versus Hesiodi Opera & Dies 145. ἐκ μελιᾶν et cetera.
10. Quomodo explicandus est locus Theocriti Id. I, 102. 103. ἤδη γὰρ φράσδει et cetera?
11. Explicandum propono Sophoclis Trach. 220. ἰδοῦ μ᾽ ἀναταράσσει et cetera.
12. Utrum infinitivus γνώμεναι Odyss. I, 411. active sumundus sit an passive. Eine unbedeutende Frage.

a 38

Kommentare

18 Übersetzung: Geographische Erörterung über Irrtümer des Iustinus, Teil 2.

19 Übersetzung: Kritische Beobachtungen in den sogenannten kleineren Dichtungen Homers. Hier handelt es sich vermutlich um die Homerischen Hymnen, deren Echtheit jedoch umstritten ist.

20 Übersetzung: Die zweite Satire des Persius erörtert.

21 Übersetzung: Über das äolische Digamma im Gebrauch bei Homer.

22 Übersetzung: Über Wortarten in der griechischen Sprache, die sich verändert haben.

23 Übersetzung: Über die Siegeszeichen der Alten.

24 Es handelt sich hier um ein Zitat aus Ciceros Academici.

25 Der römische Gott Merkur heißt in der griechischen Mythologie Hermes, weshalb hier vermutlich die Hymne an Hermes gemeint ist. Die Verfasserschaft Homers ist umstritten.

13. Quaeritur de carmine quodam Horatii nomen ferente, quod Jo. Müllerus in epistolis profert, sitne genuinum nec ne.
14. Quomodo interpretandus locus Platonis Lysid. §. 29. ἢ αὐτὸν τὸν Δαρεῖον et cetera?
15. Quaenam in Aeschyli Agamemnone 706. κελσάντων Σιμόεντος ἀκτὰς ἐπ᾽ ἀξιφύλλους, quaerenda medicina est?

Der unterzeichnete Director giebt sich die Ehre mit dieser Übersicht der Arbeiten des philologischen Seminars die Vorschläge zu Prämien für die Mitglieder desselben in Beziehung auf den Sommer 1814. zu verbinden. Er glaubt nach Abwägung der Kenntnisse, des Fleißes, der Fähigkeiten und der Bedürftigkeit derselben und mit billiger Rücksicht auf die längere oder kürzere Zeit, welche dieselben schon in dem Institut zugebracht haben, die Vertheilung der ausgesetzten Summe nicht passender und für die iungen Männer aufmunternder einrichten zu können, als wenn er für
den Studiosus Fichte eine Prämie von 45 Thalern
den Studiosus Schröner eine Prämie von 40 Thalern
den Studiosus Osann eine Prämie von 25 Thalern
den Studiosus Gerhard eine Prämie von 25 Thalern
den Studiosus Meier eine Prämie von 25 Thalern
den Studiosus Stenger eine Prämie von 20 Thalern
den Studiosus Grimm eine Prämie von 20 Thalern
in Vorschlag bringt, und bittet eine hochpreißliche Abtheilung- Departement um die hohe Genehmigung dieses Antrages.

Nachträglich liefert der Unterzeichnete von den in dem Rescript vom 7. October 1813.26 vermissten vier Probearbeiten27 des Winterhalbeniahres 1812 – 1813. Drei mit der Bitte um deren Zurücksendung ein, und bedauert die vierte von dem aus dem Felde zurückgekehrten Verfasser noch nicht erhalten zu haben.

der Director des philologischen Seminars der hiesigen Universität. Böckh. a

a Mundirt [...]

Kommentare

26 Dies war die Antwort auf Boeckhs Jahresbericht vom 26. September 1813, in der die Mitarbeiter des Departements ihre „völlige Zufriedenheit“ mit Boeckhs Leitung bekundeten, jedoch in Bezug auf das Reglement künftig das Beilegen der Probearbeiten der Seminaristen forderten (HU, Universitätsarchiv, Phil. Fak. 99, Bl. 34).

27 Es handelt sich um folgende, im Jahresbericht vom 26. September 1813 genannte Arbeiten: von Helmholtz „De indole tragoediae Græcæ“, von Pfefferkorn „Historia artis oratoriæ apud Romanos ante Ciceronem“, von Wernicke „De Priapeis atque eorum auctoribus“ und von Hasselbach „De Philocteta Sophoclis“.