Briefe und Texte
aus dem intellektuellen
Berlin um 1800

Brief von Adelbert von Chamisso an Louis de La Foye (wahrscheinlich Berlin, wahrscheinlich Frühling 1805)

 

 

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9

Du hast dich nicht wacker auf der Schule gehalten und ich muß dich schelten. – ich habe zwar mein Ehrenwort
geschworen, aber ich breche ihn nicht gegen dir, du aber mußt ihn gegen keinen der Leuten, auch dnicht der
unsern nicht brechen. – „Wenn dir das innre Götter Wort wird spruchlos1 ist ein wunderherrliches
nicht gefälliges aber Mar[...]k- und Kraftlvolles Sonnet von Fichte. wundervolleresherlicheres – noch soll sein
von dem du nicht spricht, „was meinem Auge diese Kraft gegeben2 von dem selben Fichte
es erfasset die ganze Wissenschaftleehre, und ich gestehe daß ich die Tiefe der Terzete
nicht gleichtdurchdringenden Blickes erschöpfe, von fichte sind auch. NumO quam
Decora
, und Num Quam Serenior. daß du aber diesen üÜbersetzundgen
die meine des Stabat Mater vorziehest bist stehst du dnicht allein deiner mMeinung da,
und ich will sie nicht bestreiten, nur sprichst du schlecht von dieser dichtungs-
art, du mußt nicht mit den Klassichen Dichtungen der Rö[h]mer, die ganz –
verschieden artigen des Kirchen Romantischen der GChristen im Kirchenlatein vergleichen
wollen. – eher noch mit Petrarcas Liedern von dem auch einige dieser Hymnen
sein sollen. und so konnen sie sein, und sind wirklig zum öftern sehr schön. —
z. B. an Johannes, dieses hohe loblied des Geliebten Jüngers Christi mit
inniger Religion und hohem sSchwunge gesungen, hast du nicht zu würdigen gewust
lese es in deinem Kirchenbuche, – mir hättest du da stadtt ausgerufenen Complimenten
trocken gesagt: wie ich denn unverständlich geworden war im Verse, „Welch ein Loos
wird dir gespendet, dem, der Jungfrau zugewendet seine Jungfrau Mutter er
3 dann
hätte ich dir klein mütig haarklein vorgespalten, wie [...] [schwer] es war in so wen'gen
Silben mit d 3 zreime zu sagen, welch ein Los wird dir gespendet, dir, welcher
du selber Jungfrau bist, und dem Christus seine Jungfrau mutter zu gewendet
hat
. du hättest mir auch sagen können daß „ Schriftverkünder Ewigkeiten 4
für von den Ewigkeiten nicht Deutsch sei, wozu ich zu spät der schweren
Schuld bewust geschwiegen hätte. — mein Sonnet an dich lobend, dieses
hättest du mich gefreut, — überha[...]upt in einem Kunsturtheile – keine
ausrufungen. – kalt und unbestochen richte der Richter. — das Ende

Kommentare

1 Chamisso zitiert den Anfangsvers des Gedichts Sonett von Fichte. Alle in diesem Brief erwähnten Gedichte wurden von Chamisso und Varnhagen im Musenalmanach auf das Jahr 1805 veröffentlicht.

2 Chamisso zitiert den Anfangsvers eines ebenfalls Sonett betitelten Gedichtes von Fichte.

3 Chamisso zitiert aus seinem Gedicht Hymne an Johannes.

4 Chamisso zitiert erneut aus seinem Gedicht Hymne an Johannes.

der anbetung sinckt. –4
das Sonnet Sie Er ist ambarassirt5 und schlechter
wieals das erste Sie.6 — den Uebersetzer Koreff lobsst du mir zu sehr.
aus dem Ovid7 ist leicht und gut, aber ein Fragment von geringer bedeutung
und Seine Verse die zwar der untadlige [...]Vers Künstler Varhnhagen edwas
gefeilt hat, sollst du nicht zu mleicht mit den dir fast noch unbeckanten
des Meisters der Versifikazions Kunst Voss vergleichen oder sgar sie
über diese erheben, ich will nur das wahrlig lieblige Gedicht8 an Mariane
Salomon
in dieser Rücksicht durchgehen. ‒ Steinchen soll ‒˘˘ konnten wohl
‒˘˘ zieren gleich ‒˘˘ schmucklos be- ‒˘˘ Niemals voll ‒˘˘ sind wenigstens
schwere füsse. und laß deine ‒˘˘ ein ganz fehlerhafter, den nur itzt ein
Robert sich erfrechen würde zu sagen. Dieses s[...]Mannes Mietrische Verse sind
dir geliefert. sein Promemoria gefällt mir unter seinen sSachen weil
er sich darin am besten am treusten ausspricht. Korefs Epigram̄e aber
scheinen mir nur Mittelmässig zu sein, , die 2 ersten sind die besten. — die
Verse9 von P.... sind durchaus gut, nur sind die Er ersten besser schöner
wieals die letzten, welches ein [...]Unglück ist, sein [J]gedichtgen ist nicht zu verachten.
Wolfart ist ein magerer Hund10 und Diel[h] nun vollends ein sSchweinhund,11 – von aAugusta
aber schätz ich am mehrsten die Zwei Sonnete Frühling und Sonnet worin eine
schone Weibligkeit doch leise erblüht, Variazion bleibt ganz auf dem flecke stehen.
ich meine frage, mein' ich, nach einem [V]Fortgang des Gedichtes unnd einem
hin̄reichenden Grunde warum die Verse gemacht worden sind, und weiß
nicht recht welcherlei Andwort mir b[...]h abschpeisen zu lassen. Gebeth. von Neuman – und von Vanhagen das freche Sonnet das 5.te,12 und die zwei
Blumen Romanzen13 mögte ich hervortreten lassen, aber dieser Dinge genuch –
nur eine Ermahnung Bemerkung Fichtens. mehrere der Gedichte dieser sSam̄lung errinnern
an früher da gewesene. dieser Vorwurf trift auch wohl unsern Petrarca=Tieck14
mir aber gab er das negative lLob daß er mich am wenigsten an mich gerichtet
sei und ich müßte vorthin dieses Lob behaubpten. —

a

Kommentare

5 Wahrscheinlich ist hier „embarassieren“ gemeint: in Verlegenheit, Verwirrung bringen.

6 Die hier erwähnten Sonette bilden zusammen das Gedicht Sie und Er. Beide Sonette von Chamissos Hand finden sich auf Blatt 3 im Nachlass 239 (Louis de La Foye).

7 Hierbei handelt es sich um eine Teilübersetzung Koreffs von Ovids zweitem Buch der Fasti.

8 Chamisso zitiert aus Koreffs Gedicht An M.....

9 Hierbei handelt es sich um Paalzows Gedicht Geburt des Pan.

10 Wolfart trug insgesamt vier Gedichte zum Musenalmanach auf das Jahr 1805 bei.

11 Hierbei handelt es sich um Diehls Gedicht Räthsel.

12 Es ist unklar, auf welches Gedicht sich Chamisso hier bezieht.

13 Hierbei handelt es sich um Varnhagens Gedichte Romanze [Auf der hellen grünen Wiese] und Romanze [Liebesschmachtend blüht entgegen].

14 Gemeint ist vermutlich Franz Theremin, dessen drei Gedichte für den Musenalmanach auf das Jahr 1805 einen Petrarca-Bezug aufweisen. Die Stelle „dieser Vorwurf [...] Petrarca=Tieck“ wird in Riegels Edition ausgelassen.

15 Hierbei handelt es sich um das Fichte gewidmete Gedicht von Neumann und Chamisso.

1804 [?] 97
4

nicht werd’ ich diese Einlage dir zusend[en], Adelf16, ohne sie mit einigen Zeilen zu begleiten,
sei’s auch nur das aAlte beckandte dir zu wiederholen, daßs einzige Wort: daß ich dich liebe,
übrigens kann mein Brief wie ein früh Rapport lauten.
Nichts neues.

Ein Heft hast du diese Tage von mir erhalten, und Hefte erwart’ich wiederum,
gierig ungeduldig täglig von deiner lieben Hand.

Denr Krutener von dem ich dir sprach, hHeute spricht die ganze Welt, von ihm,
und böse Stunden mag ihn sein Ruf kosten. gereitzt auf einem Ball, durch einen
nicht wohlgeborenen Referendarius Mursena, ein Beckanter Kreckler17, ward er dazu gebracht
ihm Ohrfeigen anzubieben18 oder zu geben, und wurde selber, von ihm mit füssen getreten,
im angesichte aller, und selbst von Prinzen des Hauses. Dieses geschehen, am Morgen
des Zweiten Tages ging auf die Saat des Blutes, und es geschah das von dem
was geschehen konnte, geschah das günstigste, der Kampf auf Todt, Krütener
Jung, gut, und noch nicht abgestumpfenen Gefühls, selber den Todt im Herzen
schritt hin den Todt zu geben, si[...]e avoncirten auf einander von edwa
[...]0 Schritte und durften schissen nach willkühr. die Zwei ersten Schüsse
[...]ielen zugleich. Murcena blutete an der Lende, er erbot sich zur Abbitte,
Krüteners Secondant ein jüngerer mMensch denn er sprach rasch aus die
unzulässigkeit zuderselben, da fühlte Krütener mitleidsvoll den Zorn des Nothwendigen,
un[f]veränderten Antlizes aber schritt er zur Vollendung, die Schüsse der sich entgegen-
kommenden fiel[l]en abermahls zugleich, und Krutener wandte mit Schrecken
das Antlitzes von der Leiche. — er war ist kein geübter Schütze, aber
die Hand hat ihm nicht gezittert,. aAlsobald erscholl die Nachricht durch allen
Strassen, und auch ich erfur sie dann erst. ich wollte da meinen ge[s]wesenen
Freund wieder um vor seiner Flucht umarmen, [...]ich konnte nicht biß zu ihm
dringen, er ließ mich mit innigkeit danken und nun ist er fern
und ich erzäle dir dieses weil es eEindruk auf mich gemacht hat.
Das meine Königin19 Todt ist wirdst du durch öffentlige blätter
bereits erfahren haben,

Kommentare

16 Chamisso redet seinen Freund mit dem griechischen Wort für Bruder, „Adelf“ (αδελφός), an.

17 Im Druck der Correspondance d'Adalbert de Chamisso. Fragments inédits steht „Krakeeler“ statt „Kreckler“.

18 Gemeint ist: anzubieten.

19 Durch die Initiative seines Bruders Prudent trat Chamisso 1796 als Page in die Dienste der Königin Friederike Luise von Preußen, der Gemahlin Friedrich Wilhelms II, im Schloß Monbijou ein. Die Königin starb am 25. Februar 1805.

Ich empfehle dir, sobald du es nur wirdst kriegen können
Die Metrische franzosche Verse, (Didon poeme en 3 chants
traduit du 4 livre de leneiïde)
20 dvon [...][...] dans le Conservateur
espece de journal de Franois de Neuf Chateau Neuf dont il n'y a que deux volumes
,
zu lesen, und ohne zu lachen zu lesen und studiren, biß du
sie für rigtige, gute E Meter Hexameter erklärt hast. so viel sag ich
dir daß du sie nicht wie deutsche, sondern wie griechische
oder deudsche leateinische lesen solst.

nun kannst du zu dier folgenden Nachtricht, lachen, die Exerzierheit
ist im Schonsten Blühendesten flor der Reckruten zeit. —
lTrozt alle dem21 lern ich griechisch. — 11 Gesänge hab ich durch und
bald den Anacreon. und es fängt an zu gehen. 4 biß 6 Stunden
abrbeit' ich angestrengt.

Der d3te Grüne22 muß, muß müßen erscheinen,
Herlige Beiträge lassen sich von vielen ecken ersehen.
und ich werde mit23 nächstens dir mehreres günstige zu
seinem Gunsten zu sagen hagben. Eduard trit auf
mit einer Samlung Spanischer Romanzen.

Eduard ist sehr glücklig und wohl itzt Hausvater, welches
er bei seinem letztem trauten lieben Briefen stündlig erwartete.
Neuman ist noch Hier, uUtmann grüßt dich. Augusta
seh' ich nicht und nichts nichts in der welt hat mich
getrofen daß ich in deine Sehle ergiesen [...] konnte – heute
bin ich auch dum̄ und abgespannt wie ein Exameter von

Kommentare

20 Chamisso verweist hier auf die Didotragödie im vierten Gesang der Aeneis Vergils. Im Druck der Correspondance d'Adalbert de Chamisso. Fragments inédits wurden die Klammern an dieser Stelle nicht wiedergebenen, dafür um „dans [...] volumes“ gesetzt.

21 Im Druck der Correspondance d'Adalbert de Chamisso. Fragments inédits steht „trotzdem“ statt „Trozt alle dem“.

22 Aufgrund der grünen Einbandfarbe wurden die Musenalmanache als „Grüne“ bezeichnet.

23 Im Druck der Correspondance d'Adalbert de Chamisso. Fragments inédits wurde das Wort „mit“ ausgelassen.

5
Anterino v. Agaroton. ich muß nur machen daß
K A. Brief zu dir kom̄e.

Adelbert.
τ.τ.π.α.24

Die Flüsse v. K. A. V.

Klaproth.
6 Große Wasser rollen daher auf felsigem Grunde
Aber in Mitte des Laufs winden sie oft sich zurück.

Varnhagen.
7 Friedlich ist er, der [Strom]Fluß, doch hat er seichte und falsche
Stellen, meidet ihr die, fahrt ihr gemächlich hinab.

H. Efraim.
8 [...]icht an der Quelle [...]kennt man genug ihn, nicht an dem Ausfluß
hier in der Mitte, da fließt langsam und lieblig er fort.

Robert.
9 Unter allen der breitste doch meist in blumigen Ufern,
Wollt ihr was nützliges draus, freunde so rath ich euch [...]

Eduard
10 Lieblige, klare flut: gesellig und freundlig durchfahren
Herrtiche25 Schiffe den fluß, fahren um Lust und Gewinn

Koreff.
[...]usend [er] got und Kühn entstürzt in das Thal von den Höhen
der W[...]
Tief ist sein Wasser, und ftrömt26 weit zum unendligen Meer

Lafoye
2 Lieblig ergötzt dich die frische des munter fliessenden Baches
Aber dem kundigen nur bringet er Körner von Go[ld] .

Chamisso
3 felsen stehn ihm entgegen, und [...]and wie die [Mark] ihn nur haben
mag doch der Schiffer vertraut ruich dem Sicheren fluß.

Theremin.
4 Glänzend wallet die flut durch gesegnete Ebnen des Südens
und gen Osten ergießt sie sich imn Himmlisches Blau.

Neumann
5 frisch! die Se[...]gel gespannt, und die Ruder mutig geschlagen
So gelangen wir noch schneller dem Strome zum meer. 27

Kommentare

24 Das Kürzel τ.τ.π.α. steht für τò τоυ πόλου αστρον („Polarstern“) und war das Erkennungszeichen des Nordsternbunds, dem Chamisso und de La Foye seit 1804 zusammen mit anderen jungen Dichtern und Gelehrten angehörten.

25 Gemeint ist: herrliche.

26 Gemeint ist: strömt.

27 Im Druck der Correspondance d'Adalbert de Chamisso. Fragments inédits fehlt der letzte Satz der zweiten sowie die folgende Umschlagseite.

54 1804
(Poststempel: PRUSSE
PAR MAASEYCK
)

Monsieur L[...]uis de La Foÿe
au Vange[...] à Caen
Dept: du Calvados

a b
[31][...]

a 30

b 10

Du hast dich nicht wacker auf der Schule gehalten und ich muß dich schelten. – ich habe zwar mein Ehrenwort geschworen, aber ich breche ihn nicht gegen dir, du aber mußt ihn gegen keinen der Leuten, auch nicht der unsern brechen. – „Wenn dir das innre Götter Wort wird spruchlos1 ist ein wunderherrliches nicht gefälliges aber Mark- und Kraftvolles Sonnet von Fichte. wunderherlicheres – noch soll sein von dem du nicht spricht, „was meinem Auge diese Kraft gegeben2 von dem selben Fichte es erfasset die ganze Wissenschaftlehre, und ich gestehe daß ich die Tiefe der Terzete nicht leichtdurchdringenden Blickes erschöpfe, von fichte sind auch. O quam Decora, und Num Quam Serenior. da du aber diesen Übersetzungen die meine des Stabat Mater vorziehest stehst du nicht allein deiner Meinung da, und ich will sie nicht bestreiten, nur sprichst du schlecht von dieser dichtungsart, du mußt nicht mit den Klassichen Dichtungen der Römer, die ganz – verschieden artigen Romantischen der Christen im Kirchenlatein vergleichen wollen. – eher noch mit Petrarcas Liedern von dem auch einige dieser Hymnen sein sollen. und so konnen sie sein, und sind wirklig zum öftern sehr schön. — zum Beispiel an Johannes, dieses hohe loblied des Geliebten Jüngers Christi mit inniger Religion und hohem Schwunge gesungen, hast du nicht zu würdigen gewust lese es in deinem Kirchenbuche, – mir hättest du da statt ausgerufenen Complimenten trocken gesagt: wie ich denn unverständlich geworden war im Verse, „Welch ein Loos wird dir gespendet, dem, der Jungfrau zugewendet seine Jungfrau Mutter er3 dann hätte ich dir klein mütig haarklein vorgespalten, wie [schwer] es war in so wen'gen Silben mit 3 reime zu sagen, welch ein Los wird dir gespendet, dir, welcher du selber Jungfrau bist, und dem Christus seine Jungfrau mutter zu gewendet hat. du hättest mir auch sagen können daß „ Schriftverkünder Ewigkeiten 4 für von den Ewigkeiten nicht Deutsch sei, wozu ich zu spät der schweren Schuld bewust geschwiegen hätte. — mein Sonnet an dich lobend, hättest du mich gefreut, — überhaupt in einem Kunsturtheile – keine ausrufungen. – kalt und unbestochen richte der Richter. — das Ende

Kommentare

1 Chamisso zitiert den Anfangsvers des Gedichts Sonett von Fichte. Alle in diesem Brief erwähnten Gedichte wurden von Chamisso und Varnhagen im Musenalmanach auf das Jahr 1805 veröffentlicht.

2 Chamisso zitiert den Anfangsvers eines ebenfalls Sonett betitelten Gedichtes von Fichte.

3 Chamisso zitiert aus seinem Gedicht Hymne an Johannes.

4 Chamisso zitiert erneut aus seinem Gedicht Hymne an Johannes.

der anbetung sinckt. – das Sonnet Er ist ambarassirt5 und schlechter als das erste Sie.6 — den Uebersetzer Koreff lobst du mir zu sehr. aus dem Ovid7 ist leicht und gut, aber ein Fragment von geringer bedeutung und Seine Verse die zwar der untadlige Vers Künstler Varnhagen edwas gefeilt hat, sollst du nicht zu leicht mit den dir fast noch unbeckanten des Meisters der Versifikazions Kunst Voss vergleichen oder gar sie über diese erheben, ich will nur das wahrlig lieblige Gedicht8 an Mariane Salomon in dieser Rücksicht durchgehen. ‒ Steinchen soll ‒˘˘ konnten wohl ‒˘˘ zieren gleich ‒˘˘ schmucklos be- ‒˘˘ Niemals voll ‒˘˘ sind wenigstens schwere füsse. und laß deine ‒˘˘ ein ganz fehlerhafter, den nur itzt ein Robert sich erfrechen würde zu sagen. Dieses Mannes Metrische Verse sind dir geliefert. sein Promemoria gefällt mir unter seinen Sachen weil er sich darin am treusten ausspricht. Korefs Epigramme aber scheinen mir nur Mittelmässig zu sein, die 2 ersten sind die besten. — die Verse9 von P.... sind durchaus gut, nur sind die ersten schöner als die letzten, welches ein Unglück ist, sein gedichtgen ist nicht zu verachten. Wolfart ist ein magerer Hund10 und Diel[h] nun vollends ein Schweinhund,11 – von Augusta aber schätz ich am mehrsten die Zwei Sonnete Frühling und Sonnet worin eine schone Weibligkeit doch leise erblüht, Variazion bleibt ganz auf dem flecke stehen. ich frage, mein' ich, nach einem Fortgang des Gedichtes und einem hinnreichenden Grunde warum die Verse gemacht worden sind, und weiß nicht recht welcherlei Andwort mir abspeisen lassen. Gebeth. von Neuman – und von Vanhagen das freche Sonnet das 5.te,12 und die zwei Blumen Romanzen13 mögte ich hervortreten lassen, aber dieser Dinge genuch – nur eine Bemerkung Fichtens. mehrere der Gedichte dieser Sammlung errinnern an früher da gewesene. dieser Vorwurf trift auch wohl unsern Petrarca-Tieck14 mir aber gab er das negative Lob daß er am wenigsten an mich gerichtet sei und ich müßte vorthin dieses Lob behaupten. —

a

Kommentare

5 Wahrscheinlich ist hier „embarassieren“ gemeint: in Verlegenheit, Verwirrung bringen.

6 Die hier erwähnten Sonette bilden zusammen das Gedicht Sie und Er. Beide Sonette von Chamissos Hand finden sich auf Blatt 3 im Nachlass 239 (Louis de La Foye).

7 Hierbei handelt es sich um eine Teilübersetzung Koreffs von Ovids zweitem Buch der Fasti.

8 Chamisso zitiert aus Koreffs Gedicht An M.....

9 Hierbei handelt es sich um Paalzows Gedicht Geburt des Pan.

10 Wolfart trug insgesamt vier Gedichte zum Musenalmanach auf das Jahr 1805 bei.

11 Hierbei handelt es sich um Diehls Gedicht Räthsel.

12 Es ist unklar, auf welches Gedicht sich Chamisso hier bezieht.

13 Hierbei handelt es sich um Varnhagens Gedichte Romanze [Auf der hellen grünen Wiese] und Romanze [Liebesschmachtend blüht entgegen].

14 Gemeint ist vermutlich Franz Theremin, dessen drei Gedichte für den Musenalmanach auf das Jahr 1805 einen Petrarca-Bezug aufweisen. Die Stelle „dieser Vorwurf [...] Petrarca-Tieck“ wird in Riegels Edition ausgelassen.

15 Hierbei handelt es sich um das Fichte gewidmete Gedicht von Neumann und Chamisso.

nicht werd’ ich diese Einlage dir zusend[en], Adelf16, ohne sie mit einigen Zeilen zu begleiten, sei’s auch nur das Alte beckante dir zu wiederholen, das einzige Wort: daß ich dich liebe, übrigens kann mein Brief wie ein früh Rapport lauten. Nichts neues.

Ein Heft hast du diese Tage von mir erhalten, und Hefte erwart’ich wiederum, gierig ungeduldig täglig von deiner lieben Hand.

Der Krutener von dem ich dir sprach, Heute spricht die ganze Welt von ihm, und böse Stunden mag ihn sein Ruf kosten. gereizt auf einem Ball, durch einen nicht wohlgeborenen Referendarius Mursena, ein Beckanter Kreckler17, ward er dazu gebracht ihm Ohrfeigen anzubieben18 oder zu geben, und wurde selber, von ihm mit füssen getreten, im angesichte aller, und selbst von Prinzen des Hauses. am Morgen des Zweiten Tages ging auf die Saat des Blutes, und von dem was geschehen konnte, geschah das günstigste, der Kampf auf Todt, Krütener Jung, gut, und noch nicht abgestumpfenen Gefühls, selber den Todt im Herzen schritt hin den Todt zu geben, sie avoncirten auf einander von edwa [4]0 Schritte und durften schissen nach willkühr. die Zwei ersten Schüsse [f]ielen zugleich. Murcena blutete an der Lende, er erbot sich zur Abbitte, Krüteners Secondant ein jüngerer Mensch denn er sprach rasch aus die unzulässigkeit derselben, da fühlte Krütener mitleidsvoll den Zorn des Nothwendigen, unveränderten Antlizes aber schritt er zur Vollendung, die Schüsse der sich entgegenkommenden fielen abermals zugleich, und Krutener wandte mit Schrecken das Antlitz von der Leiche. — er ist kein geübter Schütze, aber die Hand hat ihm nicht gezittert. Alsobald erscholl die Nachricht durch allen Strassen, und auch ich erfur sie erst dann. ich wollte da meinen gewesenen Freund vor seiner Flucht umarmen, ich konnte nicht biß zu ihm dringen, er ließ mich mit innigkeit danken und nun ist er fern und ich erzäle dir dieses weil es Eindruk auf mich gemacht hat. Das meine Königin19 Todt ist wirdst du durch öffentlige blätter bereits erfahren haben,

Kommentare

16 Chamisso redet seinen Freund mit dem griechischen Wort für Bruder, „Adelf“ (αδελφός), an.

17 Im Druck der Correspondance d'Adalbert de Chamisso. Fragments inédits steht „Krakeeler“ statt „Kreckler“.

18 Gemeint ist: anzubieten.

19 Durch die Initiative seines Bruders Prudent trat Chamisso 1796 als Page in die Dienste der Königin Friederike Luise von Preußen, der Gemahlin Friedrich Wilhelms II, im Schloß Monbijou ein. Die Königin starb am 25. Februar 1805.

Ich empfehle dir, sobald du es nur wirdst kriegen können Die Metrische franzosche Verse, (Didon poeme en 3 chants traduit du 4 livre de leneiïde)20 von dans le Conservateur espece de journal de Franois de Neuf Chateau dont il n'y a que deux volumes, zu lesen, und ohne zu lachen zu lesen und studiren, biß du sie für rigtige, gute Hexameter erklärt hast. so viel sag ich dir daß du sie nicht wie deutsche, sondern wie griechische oder lateinische lesen solst.

nun kannst du zu der folgenden Nachricht, lachen, die Exerzierheit ist im Schonsten Blühendesten flor der Recruten zeit. — Trozt alle dem21 lern ich griechisch. — 11 Gesänge hab ich durch und bald den Anacreon. und es fängt an zu gehen. 4 biß 6 Stunden arbeit' ich angestrengt.

Der 3te Grüne22 muß, muß müßen erscheinen, Herlige Beiträge lassen sich von vielen ecken ersehen. und ich werde mit23 nächstens dir mehreres zu seinem Gunsten zu sagen haben. Eduard trit auf mit einer Samlung Spanischer Romanzen.

Eduard ist sehr glücklig und wohl itzt Hausvater, welches er bei seinem letztem trauten lieben Briefen stündlig erwartete. Neuman ist noch Hier, Utmann grüßt dich. Augusta seh' ich nicht und nichts nichts in der welt hat mich getrofen daß ich in deine Sele ergiesen konnte – heute bin ich auch dumm und abgespannt wie ein Exameter von

Kommentare

20 Chamisso verweist hier auf die Didotragödie im vierten Gesang der Aeneis Vergils. Im Druck der Correspondance d'Adalbert de Chamisso. Fragments inédits wurden die Klammern an dieser Stelle nicht wiedergebenen, dafür um „dans [...] volumes“ gesetzt.

21 Im Druck der Correspondance d'Adalbert de Chamisso. Fragments inédits steht „trotzdem“ statt „Trozt alle dem“.

22 Aufgrund der grünen Einbandfarbe wurden die Musenalmanache als „Grüne“ bezeichnet.

23 Im Druck der Correspondance d'Adalbert de Chamisso. Fragments inédits wurde das Wort „mit“ ausgelassen.

Anterino von Agaroton. ich muß nur machen daß Karl Augusts Brief zu dir komme.

Adelbert. τò τоυ πόλου αστρον24

Die Flüsse von Karl August Varnhagen

Klaproth. 6 Große Wasser rollen daher auf felsigem Grunde Aber in Mitte des Laufs winden sie oft sich zurück.

Varnhagen. 7 Friedlich ist er, der Fluß, doch hat er seichte und falsche Stellen, meidet ihr die, fahrt ihr gemächlich hinab.

H. Efraim. 8 [N]icht an der Quelle kennt man genug ihn, nicht an dem Ausfluß hier in der Mitte, da fließt langsam und lieblig er fort.

Robert. 9 Unter allen der breitste doch meist in blumigen Ufern, Wollt ihr was nützliges draus, freunde so rath ich euch [...]

Eduard 10 Lieblige, klare flut: gesellig und freundlig durchfahren Herrtiche25 Schiffe den fluß, fahren um Lust und Gewinn

Koreff. [1 bra]usend und Kühn entstürzt in das Thal von den Höhen der W[...] Tief ist sein Wasser, und ftrömt26 weit zum unendligen Meer

Lafoye 2 Lieblig ergötzt dich die frische des munter fliessenden Baches Aber dem kundigen nur bringet er Körner von Go[ld] .

Chamisso 3 felsen stehn ihm entgegen, und [...]and wie die [Mark] ihn nur haben mag doch der Schiffer vertraut ruich dem Sicheren fluß.

Theremin. 4 Glänzend wallet die flut durch gesegnete Ebnen des Südens und gen Osten ergießt sie sich in Himmlisches Blau.

Neumann 5 frisch! die Segel gespannt, und die Ruder mutig geschlagen So gelangen wir noch schneller dem Strome zum meer. 27

Kommentare

24 Das Kürzel τ.τ.π.α. steht für τò τоυ πόλου αστρον („Polarstern“) und war das Erkennungszeichen des Nordsternbunds, dem Chamisso und de La Foye seit 1804 zusammen mit anderen jungen Dichtern und Gelehrten angehörten.

25 Gemeint ist: herrliche.

26 Gemeint ist: strömt.

27 Im Druck der Correspondance d'Adalbert de Chamisso. Fragments inédits fehlt der letzte Satz der zweiten sowie die folgende Umschlagseite.

Monsieur L[o]uis de La Foye
au Vange[ux] à Caen
Département: du Calvados