Lettres et textes:
Le Berlin intellectuel
des années 1800

Lettre d'Adelbert de Chamisso à Louis de La Foye (fragement) (probablement Berlin, probablement 20 septembre 1804)

 

 

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Bibliothèque d'État de Berlin / Section des manuscrits
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[...] 20t Septber [1804] III 3
8

1Du hast nun die beigefügten Blätter gelesen, Freund, auch weiß ich
nichts hinzu zu fügen, nichts dem seltsamen Gehaltes des N.o II2 hinzu zu
fügen, betroffen der ich bin da ich ihn erhalte, kouvertire ich ihn nur
und schike es ab, und weis dir nichts zu sagen als — sei Manne[...]
sollte ein ferneres Forschen nur edwas merkwüdiges von dem Mäglein
lehren so w[ü]erde ich es dir nachmelden erzählen.

Ich habe den Briefen den du (am 1ten December 1803) an Meunier3
schriebst, und wo du ihm Beri[...][c]ht von dem [Saintrailles] abstatetest, und um die
Stelle seines Secretaires wieder warbst,4 für dich retuour erhalten, parti
on ne sais où le 21 frimaire
5. daßs noch hab ich dir zu melden
gehabt.

Dein Sponton und deine Sachen beim Regimt sind im Stand
und in Ordnung. Der Grenadier adjudant von euch hat sich ist jun[...]langst
beim Bade ertrunken. Der Al alte Capt: der einmal auf der
Hauptwacht Neumarck6 uns sprach, hat mir einige mal eusserst
freundschaftlich von dir gesprochen, und empfielt sich dir. –

Wieviel mMonathe, Lieber guter, hast du schon deines Uhrlaubs genossen?
vergiß nicht daß du noch um ein Abschied anzuhalten hast.
Dieses ruft mir in Gedanken daß um uns her, friedlichen Scheinsoldaten
der Fackel des wütenden Krieges wieder zu erbglühen wirddroht, (so scheint
es wenigstens
) und unsre pProwinzen mögten wohl Feld sein
werden zu der fremden Schlachten! – wenn das wWaltende das Unmögliche
bezwingt und wir aus träger Ruhe zu Thaten geprügelt werden, dann
glaub ich wohl daß wir gut Fränkisch kaiserlich sein werden,
in deß, gott behüte uns, wir athmen Staub auf dem Templ[ower]
Felde, und reithen diese Nacht nach Potsdam zum völligen Beschluß
wehe dir daß du an die Herligkeit keinen Theil nim̄st.

Ich mögte mit Fäusten mich schlagen! ein Kerl von 24

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1 Der Beginn des Briefes bis „es dir erzählen“ ist mit Rotstift vom Herausgeber Hitzig gestrichen. Folglich fehlt diese Passage im Druck der Leben und Briefe von Adelbert von Chamisso.

2 Da vorliegendes Blatt mit „III“ numeriert ist, ist mit „II“ das vorhergehende, verlorene Blatt gemeint.

3 Im Druck der Leben und Briefe von Adelbert von Chamisso steht Mennier.

4 Im Druck der Leben und Briefe von Adelbert von Chamisso fehlt der Teilsatz von „und wo du“ bis „wieder warbst“.

5 Übersetzung: „abgeschickt – man weiß nicht von wo – am 21. Frimaire“. Der Frimaire bezeichnet den dritten Monat des Französischen Revolutionskalenders. Das hier genannte Datum ist der 13. Dezember 1803. Im Druck der Leben und Briefe von Adelbert von Chamisso fehlt der französische Teil.

6 Im Druck der Leben und Briefe von Adelbert von Chamisso steht „Hauptwacht am Neuen Markt“.

Jahren, und nichts gethan, nichts ge erlebet, nichts genossen
nichts erlitten, nichts geworden, nichts erbworben, nichts, rein
nichts, in dieser erbärmlichen erbärmlichen Welt!

Ich will diesen Winter Studiren, Grichich und latein, vielleicht
auch schreiben, vielleicht auch eine Abhandlung schreiben, und mich
für 14 Rhhl in Witemberg zum Doctor filosofiae stempeln lassen,
ich mögte gar zu gern Lie Doctor im Regimt v Götze und Lieut in
der Filosophfie sein. – du weist daß ich immer sage, ich
sei zu gut für das Gewerb das ich treibe, vielleich konnte mir
jener Titel einstens zu statten kommen. Neumann
will hier zu lande Doctor werden, und sein Diplom als mMit=
gift nach Rußland nehmen wo er unsern ScCinesen7 zu
geleiten gedenkstt, wenn nach Indien gereist wird, ist er
von der Partie, er hat im ganzen sein Plan nicht so Dum̄
entworfen. die beiden studiren jetzt, Samscrittdalisch8 zu
sam̄en, aus Römischen gedrukten grammatiken. Varnhagen
ist in Hamburg mit guten Hausbacken Menschen, vorlieb
nehmend, und zu frieden,. Ich habe, seit seiner Abreise 14
Tage ensuite, Maneuvrirt und — — geschlafen.
nur den vortreflichen Schühler und Sohn Molieres, den dähnischen
Holberg gelesen. auch mit fFichte, Scleijermacher,
Johannes mMüller
, hab ich von Zeit zu zeiten, erfreuliche
wieder emporhelfende Gespräche gehabt. und werde öfters we[...]
haben, doch, daß derletzte mir so bewogen scheint, muß ich
nicht ausser aAcht lassen, daß er ein bekantnter, Βουγρε
ist. bißt du auch schon so geliebt worden, haben auch
Jünglinge deiner begehrt?

Ceres reiset mit dem nächsten ab.9 es bleibt bei dem
allem was ich dir sagte, doch ist von jener Posse nichts
verneres erwähnt worden, und nichts von dem Bilde dem sie10

Commentaires

7 Hitzig merkt an, dass es sich hier um Julius Klaproth handelt.

8 Im Druck der Leben und Briefe von Adelbert von Chamisso steht „Sanscrit“.

9 Cérès Duvernay reist Ende Oktober 1804 nach Königsberg ab (Feudel, S. 257).

10 Der Schlusssatz ist mit Rotstift vom Herausgeber Hitzig gestrichen. Folglich fehlt diese Passage im Druck der Leben und Briefe von Adelbert von Chamisso, und so auch in Riegels Edition.

[...] 20ter September [1804]

1Du hast nun die beigefügten Blätter gelesen, Freund, auch weiß ich nichts hinzu zu fügen, nichts dem seltsamen Gehalte des Numéro II2 hinzu zu fügen, betroffen der ich bin da ich ihn erhalte, kouvertire ich ihn nur und schike es ab, und weis dir nichts zu sagen als — sei Manne[...] sollte ein ferneres Forschen nur edwas merkwüdiges von dem Mäglein lehren so werde ich es dir erzählen.

Ich habe den Briefen den du (am 1ten December 1803) an Meunier3 schriebst, wo du ihm Beri[...][c]ht von dem [Saintrailles] abstatetest, und um die Stelle seines Secretaires wieder warbst,4 für dich retour erhalten, parti on ne sais où le 21 frimaire 5. das noch hab ich dir zu melden gehabt.

Dein Sponton und deine Sachen beim Regiment sind im Stand und in Ordnung. Der Grenadier adjudant von euch ist unlangst beim Bade ertrunken. Der alte Capitaine der einmal auf der Hauptwacht Neumarck6 uns sprach, hat mir einige mal eusserst freundschaftlich von dir gesprochen, und empfielt sich dir. –

Wieviel Monathe, Lieber guter, hast du schon deines Uhrlaubs genossen? vergiß nicht daß du noch um ein Abschied anzuhalten hast. Dieses ruft mir in Gedanken daß um uns her, friedlichen Scheinsoldaten der Fackel des wütenden Krieges wieder zu erglühen droht, und unsre Prowinzen mögten wohl Feld werden zu der fremden Schlachten! – wenn das Waltende das Unmögliche bezwingt und wir aus träger Ruhe zu Thaten geprügelt werden, dann glaub ich wohl daß wir gut Fränkisch kaiserlich sein werden, in deß, gott behüte uns, wir athmen Staub auf dem Templ[ower] Felde, und reithen diese Nacht nach Potsdam zum völligen Beschluß wehe dir daß du an die Herligkeit keinen Theil nimmst.

Ich mögte mit Fäusten mich schlagen! ein Kerl von 24

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1 Der Beginn des Briefes bis „es dir erzählen“ ist mit Rotstift vom Herausgeber Hitzig gestrichen. Folglich fehlt diese Passage im Druck der Leben und Briefe von Adelbert von Chamisso.

2 Da vorliegendes Blatt mit „III“ numeriert ist, ist mit „II“ das vorhergehende, verlorene Blatt gemeint.

3 Im Druck der Leben und Briefe von Adelbert von Chamisso steht Mennier.

4 Im Druck der Leben und Briefe von Adelbert von Chamisso fehlt der Teilsatz von „und wo du“ bis „wieder warbst“.

5 Übersetzung: „abgeschickt – man weiß nicht von wo – am 21. Frimaire“. Der Frimaire bezeichnet den dritten Monat des Französischen Revolutionskalenders. Das hier genannte Datum ist der 13. Dezember 1803. Im Druck der Leben und Briefe von Adelbert von Chamisso fehlt der französische Teil.

6 Im Druck der Leben und Briefe von Adelbert von Chamisso steht „Hauptwacht am Neuen Markt“.

Jahren, und nichts gethan, nichts erlebet, nichts genossen nichts erlitten, nichts geworden, nichts erworben, nichts, rein nichts, in dieser erbärmlichen erbärmlichen Welt!

Ich will diesen Winter Studiren, Grichich und latein, vielleicht auch schreiben, vielleicht auch eine Abhandlung schreiben, und mich für 14 Reichsthaler in Witemberg zum Doctor filosofiae stempeln lassen, ich mögte gar zu gern Doctor im Regiment von Götze und Lieutnant in der Filosofie sein. – du weist daß ich immer sage, ich sei zu gut für das Gewerb das ich treibe, vielleich konnte mir jener Titel einstens zu statten kommen. Neumann will hier zu lande Doctor werden, und sein Diplom als Mitgift nach Rußland nehmen wo er unsern Cinesen7 zu geleiten gedenkt, wenn nach Indien gereist wird, ist er von der Partie, er hat im ganzen sein Plan nicht so Dumm entworfen. die beiden studiren jetzt, Samscrittdalisch8 zu sammen, aus Römischen gedrukten grammatiken. Varnhagen ist in Hamburg mit guten Hausbacken Menschen vorlieb nehmend, und zu frieden. Ich habe, seit seiner Abreise 14 Tage ensuite, Maneuvrirt und — — geschlafen. nur den vortreflichen Schühler und Sohn Molieres, den dähnischen Holberg gelesen. auch mit Fichte, Scleijermacher, Johannes Müller, hab ich von Zeit zu zeiten, erfreuliche wieder emporhelfende Gespräche gehabt. und werde öfters we[lche] haben, doch, da derletzte mir so bewogen scheint, muß ich nicht ausser Acht lassen, daß er ein bekannter, Βουγρε ist. bißt du auch schon so geliebt worden, haben auch Jünglinge deiner begehrt?

Ceres reiset mit dem nächsten ab.9 es bleibt bei dem allem was ich dir sagte, doch ist von jener Posse nichts verneres erwähnt worden, und nichts von dem Bilde dem sie10

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7 Hitzig merkt an, dass es sich hier um Julius Klaproth handelt.

8 Im Druck der Leben und Briefe von Adelbert von Chamisso steht „Sanscrit“.

9 Cérès Duvernay reist Ende Oktober 1804 nach Königsberg ab (Feudel, S. 257).

10 Der Schlusssatz ist mit Rotstift vom Herausgeber Hitzig gestrichen. Folglich fehlt diese Passage im Druck der Leben und Briefe von Adelbert von Chamisso, und so auch in Riegels Edition.