Briefe und Texte
aus dem intellektuellen
Berlin um 1800

Brief von Friedrich Wilken an die Philosophische Fakultät (Berlin, 28. März 1818)

 

 

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Noch lege ich den Herrn Collegen vor
ein Schreiben des Herrn Rectors den Studiosus Ballmüller betr.
zur gefälligen Kenntnißnahme.

Auch muß ich noch eine Bitte des Herrn Dd. Fichte vortragen. Derselbe hat mir
nehmlich gestern den Wunsch eröffnet, daß ihm möge verstattet werden, seine öffentliche
Disputation über theses zu halten, und demnächst die gedruckte Dissertation nachzuliefern;1
es sey ihm nehmlich, wie er versicherte, wegen der gegenwärtigen vielfachen Arbeiten in den
Druckereyen unmöglich, binnen den nächsten sechs Wochen, den Druck dieser Dissertation zu bewirken, und
doch trage er großes Verlangen sich noch vor dem Anfange des nächsten Semesters zu habilitiren
und dann seine [Vorlesungen] zu beginnen.2

Ich nehme mir also die Freyheit, die Herren Collegen zu befragen, ob Sie der Meinung
sind, daß dieses Gesuch Gewährung finden könne?

d. 298 März 1818. Fr. Wilken d. Z. Dec.

So sehr ich wünschte, daß Hr Fichte begünstigt werden könnte, halte ich es doch für ganz unschicklich über Theses dis=
putiren zu lassen, und die Veniam docendi zu geben, ehe die Dissertation geliefert ist. Wen̄ Hr F. den nächsten
Som̄er lesen wollte, mußte er frühere Anstalten treffen. Wir haben auch bisher solche Dispensationen nicht ertheilt.

d. 298. März. Böckh.

Ich bin gleicher Meinung. Weiss.
Ebenfalls Lichtenstein
. . . . . Trally
Ebenfals Rühs
Desgl. Hermbstaedt.
Erman

Kommentare

1 Immanuel Hermann Fichte bat die Fakultät darum, die Reihenfolge des Promotionsverfahrens zu ändern. Den Universitätsstatuten zufolge sollte zuerst die Dissertation in gedruckter Form eingereicht werden und danach die Disputation stattfinden.

2 Um Vorlesungen halten zu dürfen, reichte das Doktorat noch nicht aus. Die Privatdozenten mussten sich vorher in der Fakultät, in der sie Vorlesungen halten wollten, habilitieren. Der Akt der Habilitation wurde durch einen freien Vortrag über ein Thema vollzogen, das entweder von der Fakultät oder vom Aspiranten bestimmt wurde.

Noch lege ich den Herrn Collegen vor ein Schreiben des Herrn Rectors den Studiosus Ballmüller betreffend zur gefälligen Kenntnißnahme.

Auch muß ich noch eine Bitte des Herrn Doctorand Fichte vortragen. Derselbe hat mir nehmlich gestern den Wunsch eröffnet, daß ihm möge verstattet werden, seine öffentliche Disputation über theses zu halten, und demnächst die gedruckte Dissertation nachzuliefern;1 es sey ihm nehmlich, wie er versicherte, wegen der gegenwärtigen vielfachen Arbeiten in den Druckereyen unmöglich, binnen den nächsten sechs Wochen, den Druck dieser Dissertation zu bewirken, und doch trage er großes Verlangen sich noch vor dem Anfange des nächsten Semesters zu habilitiren und dann seine [Vorlesungen] zu beginnen.2

Ich nehme mir also die Freyheit, die Herren Collegen zu befragen, ob Sie der Meinung sind, daß dieses Gesuch Gewährung finden könne?

den 28 März 1818. Friedrich Wilken dieser Zeit Decan

So sehr ich wünschte, daß Herr Fichte begünstigt werden könnte, halte ich es doch für ganz unschicklich über Theses disputiren zu lassen, und die Veniam docendi zu geben, ehe die Dissertation geliefert ist. Wenn Herr Fichte den nächsten Sommer lesen wollte, mußte er frühere Anstalten treffen. Wir haben auch bisher solche Dispensationen nicht ertheilt.

den 28. März. Böckh.

Ich bin gleicher Meinung. Weiss. Ebenfalls Lichtenstein . . . . . Trally Ebenfals Rühs Desgleichen Hermbstaedt. Erman

Kommentare

1 Immanuel Hermann Fichte bat die Fakultät darum, die Reihenfolge des Promotionsverfahrens zu ändern. Den Universitätsstatuten zufolge sollte zuerst die Dissertation in gedruckter Form eingereicht werden und danach die Disputation stattfinden.

2 Um Vorlesungen halten zu dürfen, reichte das Doktorat noch nicht aus. Die Privatdozenten mussten sich vorher in der Fakultät, in der sie Vorlesungen halten wollten, habilitieren. Der Akt der Habilitation wurde durch einen freien Vortrag über ein Thema vollzogen, das entweder von der Fakultät oder vom Aspiranten bestimmt wurde.