Briefe und Texte
aus dem intellektuellen
Berlin um 1800

Brief von Immanuel Hermann Fichte an Friedrich Wilken (Berlin, 17. Juli 1818)

 

 

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        Verehrtester Herr Professor

        Die Angelegenheit, um deren willen ich so oft Sie zu belästigen mich genöthigt
        sehe, muß in diesen Tagen ihre endliche Entscheidung finden. Ich rechne dabei
        auf Ihren gütigen Rath, und auf Ihre letzten Bestim̄ungen. – Vorläufig muß
        ich Ihnen melden, daß ich, um nichts meiner Seits unversucht zu lassen, die Herren
        Trede u Reinhold angegangen habe, mir in meiner Disputation beizustehen: An-
        fangs schienen Sie geneigt; nachher aber entschuldigten Ssie sich schriftlich, der Eine
        mit seiner baldigen Abreise, der andere mit überhäuften Geschäften. [Bei ]Sie lehnten
        aber bestim̄t meinen Vorschlag, über rein philosophische Gegenstände Thesen lateinisch dis-
        putirn zu wollen, ab, u schienen historische Gegenstände vorzuziehen. Dasselbe that
        auch noch ein Dritter; so daß ich auch, wie ich vorausseh, auch dadurch nicht hoffen darf, mei-
        nem Ziele näher zu kom̄en. Ich bin auf diese Weise nun schon von Elfen abge-
        wiesen worden.

        Nun steht die Sache so: ich habe für meinen Zweck einen trefflichen jungen Mann ge-
        funden, der mir auch auf jeden Fall treu bleiben wird; nur fordert er, um über die
        Abhandlung zu disputiren, 12 Tage wenigstens Zeit zur Vorbereitung auf den ihm ganz
        unbekan̄ten Gegenstand, u wünscht daher die dDisputation auf Mittwoch den 29sten festge-
        setzt zu sehen. Direktor Zeune dagegen kann nur noch die folgende Woche sich der Sache
        unterziehen, ist an jedem Mittwoch und eigentlich auch Sonnabend verhindert, und schlägt
        daher einen andern Wochentag vor; was Ihnen, verehrtester Herr Professor, fürcht’
        ich, unangenehm ist, da auf diese Tage im̄er die Vorlesungen u Bibliotheksgeschäfte
        fallen.

        Ich sehe mich daher, um diesen widerstreitenden Verhältnissen auf einmal zu entge-
        hen, zu dei[de]nem Vorschlage genöthigt, der, so unangenehm er mir auch ist, u so s[...]
        er [den] Zeiteintheilung zerstört, die ich mir für den übrigen Theil des Som̄ers [...]
        habe, doch allein jene Schwierigkeiten zu lösen scheint. Es ist der, daß [...]-
        tion in die Ferien hinein, bis nach der Zurückkunft von meiner kle[...]
        aufgeschoben bleibe. Dann weirden dieer Hauptvorwand der Opponenten[...]fte

        keine Gültigkeit mehr haben; und vor allem hoffe ich dann auf ein Gesetz mich
        berufen zu können, das der Fakultät das Recht giebt, auf den ihr attachirten
        Privatdocenten bei vorkom̄enden Fällen Opponenten ernen̄en zu können. Sie äußerten schon gelegentlich zu mir, Herr Professor, daß ein solches Gesetz
        gegeben werden müsse, daß nur die Einholung vonm Ministerium zu viel Zeit
        kosten würde. Jetzt scheinen die Umstände z zu diese einem Aufschube zu nö-
        thigen; und so könnte ich ja schon selbst die Vortheile jener Bestim̄ung genie-
        ßen, u dies um so unverdächtiger, da ich ja auch späterhin unter die gleiche
        Verpflichtung, die ich andern anmuthe, fallen werde. Und an sich liegt das Recht
        der Fakultät die Opponenten zu ernennen, schon in der Natur der Sache: die öffent-
        liche Disputation ist nichts als eine fortgesetzte Prüfung des Candidaten, von Seiten
        der Fakultät; sie allein kann also die Opponenten ernen̄en, muß es sogar; der
        Candidat selbst hat sich deßwegen am wenigsten zu küm̄ern. Und dies ist auch
        sicher der Sinn der Worte in den schon bestehenden Universitätsstatuten, [...]
        die Opp. entweder von d Fakultät ernan̄t, oder wenigstens von ihr bestätigt seÿn
        sollen.

        Könnt’ ich dann hoffen, daß die Fakultät die Nothwendigkeit dieser Bestim̄ung
        einsehen, u das Ministerium sie bestätigen würde, so werdekönnte ich freudiger die Sache
        ihren Gang gehen lassen. Die Oppenenten wären dann schon vollzählig durch d H
        Zeune Calker u Ritter, die dann, wohl oder übel, sich dem ihnen Zukom[...]-
        den bequemen müßten. – Dies wäre mein Vorschlage, worüber ich Ihren güti-
        gen Rath mir Morgen Nachmittags mündlich einholen würde.

        Bis dahin empfiehlt sich Ihrem Wohlwollen hochachtungsvoll
        Dero
        ganz ergebenster
        Fichte.
        Verehrtester Herr Professor

        Die Angelegenheit, um deren willen ich so oft Sie zu belästigen mich genöthigt sehe, muß in diesen Tagen ihre endliche Entscheidung finden. Ich rechne dabei auf Ihren gütigen Rath, und auf Ihre letzten Bestimmungen. – Vorläufig muß ich Ihnen melden, daß ich, um nichts meiner Seits unversucht zu lassen, die Herren Trede und Reinhold angegangen habe, mir in meiner Disputation beizustehen: Anfangs schienen Sie geneigt; nachher aber entschuldigten sie sich schriftlich, der Eine mit seiner baldigen Abreise, der andere mit überhäuften Geschäften. Sie lehnten aber bestimmt meinen Vorschlag, über rein philosophische Thesen lateinisch disputirn zu wollen, ab, und schienen historische Gegenstände vorzuziehen. Dasselbe that auch noch ein Dritter; so daß ich , wie ich vorausseh, auch dadurch nicht hoffen darf, meinem Ziele näher zu kommen. Ich bin auf diese Weise nun schon von Elfen abgewiesen worden.

        Nun steht die Sache so: ich habe für meinen Zweck einen trefflichen jungen Mann gefunden, der mir auch auf jeden Fall treu bleiben wird; nur fordert er, um über die Abhandlung zu disputiren, 12 Tage wenigstens Zeit zur Vorbereitung auf den ihm ganz unbekannten Gegenstand, und wünscht daher die Disputation auf Mittwoch den 29sten festgesetzt zu sehen. Direktor Zeune dagegen kann nur noch die folgende Woche sich der Sache unterziehen, ist an jedem Mittwoch und eigentlich auch Sonnabend verhindert, und schlägt daher einen andern Wochentag vor; was Ihnen, verehrtester Herr Professor, fürcht’ ich, unangenehm ist, da auf diese Tage immer die Vorlesungen und Bibliotheksgeschäfte fallen.

        Ich sehe mich daher, um diesen widerstreitenden Verhältnissen auf einmal zu entgehen, zu einem Vorschlage genöthigt, der, so unangenehm er mir auch ist, und so s[ehr] er [den] Zeiteintheilung zerstört, die ich mir für den übrigen Theil des Sommers [gemacht] habe, doch allein jene Schwierigkeiten zu lösen scheint. Es ist der, daß [die Disputa]tion in die Ferien hinein, bis nach der Zurückkunft von meiner kle[inen Reise] aufgeschoben bleibe. Dann wird der Hauptvorwand der Opponenten[, ihre vielen Geschä]fte

        keine Gültigkeit mehr haben; und vor allem hoffe ich dann auf ein Gesetz mich berufen zu können, das der Fakultät das Recht giebt, auf den ihr attachirten Privatdocenten bei vorkommenden Fällen Opponenten ernennen zu können. Sie äußerten schon gelegentlich zu mir, Herr Professor, daß ein solches Gesetz gegeben werden müsse, daß nur die Einholung vom Ministerium zu viel Zeit kosten würde. Jetzt scheinen die Umstände zu einem Aufschube zu nöthigen; und so könnte ich ja schon selbst die Vortheile jener Bestimmung genießen, und dies um so unverdächtiger, da ich ja auch späterhin unter die gleiche Verpflichtung, die ich andern anmuthe, fallen werde. Und an sich liegt das Recht der Fakultät die Opponenten zu ernennen, schon in der Natur der Sache: die öffentliche Disputation ist nichts als eine fortgesetzte Prüfung des Candidaten, von Seiten der Fakultät; sie allein kann also die Opponenten ernennen, muß es sogar; der Candidat selbst hat sich deßwegen am wenigsten zu kümmern. Und dies ist auch sicher der Sinn der Worte in den schon bestehenden Universitätsstatuten, [daß] die Opponenten entweder von der Fakultät ernannt, oder wenigstens von ihr bestätigt seyn sollen.

        Könnt’ ich dann hoffen, daß die Fakultät die Nothwendigkeit dieser Bestimmung einsehen, und das Ministerium sie bestätigen würde, so könnte ich freudiger die Sache ihren Gang gehen lassen. Die Oppenenten wären dann schon vollzählig durch die Herren Zeune Calker und Ritter, die dann, wohl oder übel, sich dem ihnen Zukom[men]den bequemen müßten. – Dies wäre mein Vorschlage, worüber ich Ihren gütigen Rath mir Morgen Nachmittags mündlich einholen würde.

        Bis dahin empfiehlt sich Ihrem Wohlwollen hochachtungsvoll Dero
        ganz ergebenster Fichte.