Lettres et textes:
Le Berlin intellectuel
des années 1800

Lettre de Adelbert von Chamisso à Louis de La Foye (Genève ou Coppet, 16 août 1811)

 

 

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    a 117
    78

    Ich bin wirklich noch hier, mein Lieber,
    und sage [noch]1 wie2 man hier zu sagen pflegt
    und ich ganz absonderlich, dass es wohl nicht
    [...]auf lange [...] Zeit sein wird. Es soll aAnfangs
    [...]künftigm Monats los=, und [davon] gehen.
    meiner Seits vermutlich füßlings durch
    die Schweiz und so fort nach Nord deutschland
    allein, und ohne über Heidelberg zu gehen.
    – Ich habe umsonst b[i]ß itzt3 meine
    Schwester hier durch oder doch Briefe von
    ihr erwartet. – Ich habe so ziemlich diese
    Zeit mit nNichtsthun erfüllt. Das Spaßhafte
    ist gewesen daß ich täglich in diesem
    herrlichen See gebadet, und dass ich es
    dahin gebracht dass ich mit müh und
    Noth einige Zwanzig brasses ohne [jedoch]
    merklich vorwärts zu kommen, zu
    Schwimmen, ich habe sonst italinisch
    Spanisch, französch, manche litterarische
    Dinge gelesen, und hiemit gut.
    – Ich wurde hier mit Wohlwollen [an]gesehen
    und fest gehalten, sonst aber weder angerührt
    noch angeredet, mit Schlegel der nun

    a Aout 1811

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    1 Es ist unklar, ob „noch“ eine Korrektur oder eine Streichung darstellt.

    2 Im Druck der Correspondance d'Adalbert de Chamisso, Fragments inédits steht „was“ statt „wie“.

    3 Im Druck der Correspondance d'Adalbert de Chamisso, Fragments inédits steht „jetzt“ statt „itzt“.

    weit ist verreist ist4, wurde ich die
    lezte Zeit fremd. – wir plaudern
    vielleicht eimal über meine Verhältnisse
    in diesem Hause, und diese Sonderbare
    Herrin, die ganze Zeit haben wir nichts
    mitsammen gehabt [...]hauptsächlich weil
    sie mit einem andern etwas hatte.5
    Es ist gut, recht gut so – ich habe ein
    wohl wichtiges Buch nicht ohne Nutzen
    gelesen, eine ganze neue Seite der Welt
    kennen gelernt, und am Ende doch
    mir eine Freundin erworben. –

    Ich meide zwar [ihr] künftighin ihr gast
    so müßig zu sein, [...] aber es kann
    kommen, wenn es ein mal ein
    Neckerstown am Ontario See giebt,6
    Daß ich dort die rolle eins [Eries]
    agire7 – kann vieles noch kommen.
    – Du sollst mir noch hier und das
    gleich schreiben, wie es dir geht und
    was du machst, darum schreib ich dir
    einzig und allein – also laß mich

    Commentaires

    4 Im Juli 1811 hatte August Wilhelm Schlegel die Schweiz verlassen und war zu seinem Bruder Friedrich Schlegel, der sich in Wien aufhielt, gereist (Winock 2010: 396).

    5 Zwischen Madame de Staël und Jean de Rocca gab es seit dem 1. Mai 1811 sogar ein „promesse de marriage“ (Winock 2010: 407).

    6 Dies ist vermutlich eine Anspielung auf die Pläne der Madame de Staël (geborene Necker), nach Amerika auszuwandern (vgl. Pille 1995: 276, Kommentar 65).

    7 Angehöriger des Indianerstamms der Erie in Nordamerika. – Auch an anderen Stellen betont Chamisso seine Distanz zur „feinen Welt“ der Madame de Staël (s. Chamissos folgenden Brief, Seite 1).

    79

    gut[...] [...]ren.8 – ich habe bei meiner
    Wanderung um den See, – dein
    Messer und deinen [...]
    Behä[...]lter verloren, [dieser] der Verlust
    ist mir sehr schmerzlich gewesen –
    und doch weiß ich dass ich ich dir ihn
    zu berichten vergeßen habe. – Ich
    schreibe nachlässig und müde dnur
    das Symbolon eines Briefes, und
    lasse dein Herz es in einen Brief
    umsezen, thue nicht desgleichen, du
    von dem ich eigentlich die sSitte gerler[...],
    und schreibe mir wirklich einen; –
    oder kosstet es dich zu viel – auch
    gut. – Ich habe hier nur eines
    Mannes Bekanntschaft mit sammen9
    des Verfassers der Histoire des Republiques
    italiennes
    . Simonde Sismondi – ein
    sehr wakerer, ja ein rechter Kerl;
    Charackter und gesinnung vernunft
    und Verstand ohne das was den
    Dichter macht. – Solches erstirbt auch
    mehr und mehr in mir, es war
    wirklich eine Zeit wo wir die Ruthe
    verdienten.10 – was ich itzt11 verdiene –
    ich weiß es12 wahrlich nicht doch auf jeden

    Commentaires

    8 Im Druck der Correspondance d'Adalbert de Chamisso, Fragments inédits fehlt der Textabschnitt ab diesem Punkt bis „vergeßen habe“. Die Lücke ist mit Auslassungspunkten gekennzeichnet.

    9 Im Druck der Correspondance d'Adalbert de Chamisso, Fragments inédits fehlt „mit sammen“.

    10 Dieses Wort befindet sich teilweise auf dem Siegelausriss, der an die obere Blattkannte geklebt wurde.

    11 Im Druck der Correspondance d'Adalbert de Chamisso, Fragments inédits steht „jetzt“ statt „itzt“.

    12 Der Textteil „weiß es“ befindet sich ebenfalls teilweise auf dem Siegelausriss, der an die obere Blattkannte geklebt wurde.

    Fall wenig13 genug. –

    leb wohl und gedenke meiner, auf
    wiedersehn [ir]gendwo in dieser oder der neuen oder doch jener Welt.

    (Schwarzer Poststempel, der "[...]9 Genève" besagt.)

    A Monsieur
    Monsieur Louis de Lafoye
    a à Caen.
    Calvados.

    (Reste des roten Siegels, am linken Blattrand sind griechische Zeichen darauf zu erkennen.)

    a [9]

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    13 Im Druck der Correspondance d'Adalbert de Chamisso, Fragments inédits fehlt dieses „wenig“.

    Ich bin wirklich noch hier, mein Lieber, und sage [noch]1 wie2 man hier zu sagen pflegt und ich ganz absonderlich, dass es wohl nicht auf lange Zeit sein wird. Es soll Anfangs künftigm Monats los-, und [davon] gehen. meiner Seits vermutlich füßlings durch die Schweiz und so fort nach Nord deutschland allein, und ohne über Heidelberg zu gehen. – Ich habe umsonst b[i]ß itzt3 meine Schwester hier durch oder doch Briefe von ihr erwartet. – Ich habe so ziemlich diese Zeit mit Nichtsthun erfüllt. Das Spaßhafte ist gewesen daß ich täglich in diesem herrlichen See gebadet, und dass ich es dahin gebracht mit müh und Noth einige Zwanzig brasses ohne [jedoch] merklich vorwärts zu kommen, zu Schwimmen, ich habe sonst italinisch Spanisch, französch, manche litterarische Dinge gelesen, und hiemit gut. – Ich wurde hier mit Wohlwollen gesehen und fest gehalten, sonst aber weder angerührt noch angeredet, mit Schlegel der nun

    Commentaires

    1 Es ist unklar, ob „noch“ eine Korrektur oder eine Streichung darstellt.

    2 Im Druck der Correspondance d'Adalbert de Chamisso, Fragments inédits steht „was“ statt „wie“.

    3 Im Druck der Correspondance d'Adalbert de Chamisso, Fragments inédits steht „jetzt“ statt „itzt“.

    weit verreist ist4, wurde ich die lezte Zeit fremd. – wir plaudern vielleicht eimal über meine Verhältnisse in diesem Hause, und diese Sonderbare Herrin, die ganze Zeit haben wir nichts mitsammen gehabt hauptsächlich weil sie mit einem andern etwas hatte.5 Es ist gut, recht gut so – ich habe ein wohl wichtiges Buch nicht ohne Nutzen gelesen, eine ganze neue Seite der Welt kennen gelernt, und am Ende doch mir eine Freundin erworben. –

    Ich meide zwar künftighin ihr gast so müßig zu sein, aber es kann kommen, wenn es ein mal ein Neckerstown am Ontario See giebt,6 Daß ich dort die rolle eins [Eries] agire7 – kann vieles noch kommen. – Du sollst mir noch hier und das gleich schreiben, wie es dir geht und was du machst, darum schreib ich dir einzig und allein – also laß mich

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    4 Im Juli 1811 hatte August Wilhelm Schlegel die Schweiz verlassen und war zu seinem Bruder Friedrich Schlegel, der sich in Wien aufhielt, gereist (Winock 2010: 396).

    5 Zwischen Madame de Staël und Jean de Rocca gab es seit dem 1. Mai 1811 sogar ein „promesse de marriage“ (Winock 2010: 407).

    6 Dies ist vermutlich eine Anspielung auf die Pläne der Madame de Staël (geborene Necker), nach Amerika auszuwandern (vgl. Pille 1995: 276, Kommentar 65).

    7 Angehöriger des Indianerstamms der Erie in Nordamerika. – Auch an anderen Stellen betont Chamisso seine Distanz zur „feinen Welt“ der Madame de Staël (s. Chamissos folgenden Brief, Seite 1).

    gut[es] [hö]ren.8 – ich habe bei meiner Wanderung um den See, – dein Messer und deinen [...] Behälter verloren, der Verlust ist mir sehr schmerzlich gewesen – und doch weiß ich dass ich dir ihn zu berichten vergeßen habe. – Ich schreibe nachlässig und müde nur das Symbolon eines Briefes, und lasse dein Herz es in einen Brief umsezen, thue nicht desgleichen, du von dem ich eigentlich die Sitte erler[nt], und schreibe mir wirklich einen; – oder kosstet es dich zu viel – auch gut. – Ich habe hier nur eines Mannes Bekanntschaft mit sammen9 des Verfassers der Histoire des Republiques italiennes. Simonde Sismondi – ein sehr wakerer, ja ein rechter Kerl; Charackter und gesinnung vernunft und Verstand ohne das was den Dichter macht. – Solches erstirbt auch mehr und mehr in mir, es war wirklich eine Zeit wo wir die Ruthe verdienten.10 – was ich itzt11 verdiene – ich weiß es12 wahrlich nicht doch auf jeden

    Commentaires

    8 Im Druck der Correspondance d'Adalbert de Chamisso, Fragments inédits fehlt der Textabschnitt ab diesem Punkt bis „vergeßen habe“. Die Lücke ist mit Auslassungspunkten gekennzeichnet.

    9 Im Druck der Correspondance d'Adalbert de Chamisso, Fragments inédits fehlt „mit sammen“.

    10 Dieses Wort befindet sich teilweise auf dem Siegelausriss, der an die obere Blattkannte geklebt wurde.

    11 Im Druck der Correspondance d'Adalbert de Chamisso, Fragments inédits steht „jetzt“ statt „itzt“.

    12 Der Textteil „weiß es“ befindet sich ebenfalls teilweise auf dem Siegelausriss, der an die obere Blattkannte geklebt wurde.

    Fall wenig13 genug. –

    leb wohl und gedenke meiner, auf wiedersehn [ir]gendwo in dieser oder der neuen oder doch jener Welt.

    A Monsieur
    Monsieur Louis de Lafoye
    à Caen.
    Calvados.

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    13 Im Druck der Correspondance d'Adalbert de Chamisso, Fragments inédits fehlt dieses „wenig“.