Briefe und Texte
aus dem intellektuellen
Berlin um 1800

Brief von Karl August Varnhagen von Ense an August Boeckh (Berlin, 17. April 1830)

 

 

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H[eid] Hs 2130 Ew. Hochwohlgeboren|

abin ich beauftragt, die beifolgende Recension des Hrn
Dr. Rötscher1 über Delbrücks Vertheidigung Platons und
Xenophons2 mit dem Ersuchen zuzustellen, daß Sie Ihr Ur=
theil von dieser Arbeit gefälligst der Societät mittheilen
möchten. Ich meinestheils habe die Recension bereits gelesen,
und finde nichts gegen den Abdruck einzuwenden;3 nur möchte
ich dem Verfasser mehr Sorgfalt in seiner Schreibart wünschen!

Zugleich habe ich an Sie eine fernere Anfrage und Bitte zu richten.
Ich trug in der letzten Sitzung4 darauf an, daß Leake's
Morea
recensirt würde, und da ich gehört hatte, daß Sie
das Buch von der Königl. Bibliothek zum Lesen gefordert,
so nannt' ich sofort Ihren Namen; natürlich stimmten Alle
in den Wunsch ein, aber Einige zweifelten, daß Sie wollen
würden. Ich aber übernahm es, Ihnen zuzureden. Wie ich
das anfangen werde? Sehr kurz! - Die Sache möge reden, wie
schön es wäre, wenn Sie den reichen, jetzt so vielfach lebens=
regen Stoff von dieser dargebotenen Betrachtungsstelle aus
auch nur kurz und allgemein besprechen wollten, wie sehr
wir Alle es wünschen, Sie nicht immer und ganz [...] zu
sehen, wie nothwendig sogar es erscheint, nach zweien Jahr=
gängen5, die ohne Beitrag von Ihnen sind, dem dritten
Ihre Theilnahme nicht auch fehlen zu lassen!6 Wollen Sie es
sich nur nicht schwer und mühsam machen, geben Sie leicht
und angenehm, in beliebiger Kürze, was das Lesen von
selbst Ihnen abwirft, und die Sache, auf die wir, wie Sie
uns nicht verdenken können, den größten Werth setzen,
ist gemacht! Gönnen Sie mir den Vortheil, daß auch ich die
meinige gut ausgerichtet habe, was der Erfolg unwidersprech=
lich bewiese! —

Mit ausgezeichnetster Hochachtung
Ihr gehorsamsterKAVarnhagen von Ense.

a

Kommentare

1 Heinrich Theodor Rötscher war Boeckh persönlich bekannt. Er studierte von 1820/21 bis 1823 an der Berliner Universität Philologie und war im Wintersemester 1821/1822 außerordentliches Mitglied in Boeckhs philologischem Seminar.

2 Delbrücks Vertheidigung Platon's und einen Angriff auf seine Bürgertugend von 1828 und Xenophon. Zur Rettung seiner durch B. G. Niebuhr gefährdeten Ehre dargestellt von Ferdinand Delbrück von 1829.

3 Die stets mit Verfassernamen in den Jahrbüchern für wissenschaftliche Kritik veröffentlichten Rezensionen wurden vor der Publikation von mindestens zwei Mitgliedern der Redaktion begutachtet. (Quelle: Harald Fischer Verlag [Zugriff 15.09.2013].

4 Gemeint ist eine Sitzung der Societät für wissenschaftliche Kritik zu Berlin.

5 Gemeint sind die Berliner Jahrbücher für wissenschaftliche Kritik.

6 In der Oktoberausgabe 1830 der Jahrbücher für wissenschaftliche Kritik erscheint eine Rezension Boeckhs zu Dissens Pindari Carmina quae supersunt, woran er jedoch auch selbst mitgewirkt hat.

Euer Hochwohlgeboren|

abin ich beauftragt, die beifolgende Recension des Herrn Doktor Rötscher1 über Delbrücks Vertheidigung Platons und Xenophons2 mit dem Ersuchen zuzustellen, daß Sie Ihr Urtheil von dieser Arbeit gefälligst der Societät mittheilen möchten. Ich meinestheils habe die Recension bereits gelesen, und finde nichts gegen den Abdruck einzuwenden;3 nur möchte ich dem Verfasser mehr Sorgfalt in seiner Schreibart wünschen!

Zugleich habe ich an Sie eine fernere Anfrage und Bitte zu richten. Ich trug in der letzten Sitzung4 darauf an, daß Leake's Morea recensirt würde, und da ich gehört hatte, daß Sie das Buch von der Königlichen Bibliothek zum Lesen gefordert, so nannt' ich sofort Ihren Namen; natürlich stimmten Alle in den Wunsch ein, aber Einige zweifelten, daß Sie wollen würden. Ich aber übernahm es, Ihnen zuzureden. Wie ich das anfangen werde? Sehr kurz! - Die Sache möge reden, wie schön es wäre, wenn Sie den reichen, jetzt so vielfach lebensregen Stoff von dieser dargebotenen Betrachtungsstelle aus auch nur kurz und allgemein besprechen wollten, wie sehr wir Alle es wünschen, Sie nicht immer und ganz [...] zu sehen, wie nothwendig sogar es erscheint, nach zweien Jahrgängen5, die ohne Beitrag von Ihnen sind, dem dritten Ihre Theilnahme nicht auch fehlen zu lassen!6 Wollen Sie es sich nur nicht schwer und mühsam machen, geben Sie leicht und angenehm, in beliebiger Kürze, was das Lesen von selbst Ihnen abwirft, und die Sache, auf die wir, wie Sie uns nicht verdenken können, den größten Werth setzen, ist gemacht! Gönnen Sie mir den Vortheil, daß auch ich die meinige gut ausgerichtet habe, was der Erfolg unwidersprechlich bewiese! —

Mit ausgezeichnetster Hochachtung Ihr gehorsamsterKarl August Varnhagen von Ense.

a

Kommentare

1 Heinrich Theodor Rötscher war Boeckh persönlich bekannt. Er studierte von 1820/21 bis 1823 an der Berliner Universität Philologie und war im Wintersemester 1821/1822 außerordentliches Mitglied in Boeckhs philologischem Seminar.

2 Delbrücks Vertheidigung Platon's und einen Angriff auf seine Bürgertugend von 1828 und Xenophon. Zur Rettung seiner durch B. G. Niebuhr gefährdeten Ehre dargestellt von Ferdinand Delbrück von 1829.

3 Die stets mit Verfassernamen in den Jahrbüchern für wissenschaftliche Kritik veröffentlichten Rezensionen wurden vor der Publikation von mindestens zwei Mitgliedern der Redaktion begutachtet. (Quelle: Harald Fischer Verlag [Zugriff 15.09.2013].

4 Gemeint ist eine Sitzung der Societät für wissenschaftliche Kritik zu Berlin.

5 Gemeint sind die Berliner Jahrbücher für wissenschaftliche Kritik.

6 In der Oktoberausgabe 1830 der Jahrbücher für wissenschaftliche Kritik erscheint eine Rezension Boeckhs zu Dissens Pindari Carmina quae supersunt, woran er jedoch auch selbst mitgewirkt hat.