Briefe und Texte
aus dem intellektuellen
Berlin um 1800

Brief von August Boeckh an Karl August Varnhagen von Ense (Berlin, 1. Juni 1837)

 

 

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    Böckh. Berlin, den 1. Juni 1837.

    Verehrtester Gönner!

    Alex. v. Humboldt hatte mir eben Ihre Denkwürdigkeiten gegeben, als ich zu Hause
    kommend sie auch von Ihrer Güte vorfand. Ich bin Ihnen für wiederholte Geschenke schon
    vielfach verpflichtet; aber soll ich ganz unverholen und offenherzig reden, so hatte ich,
    als ich das Buch bei Humboldt sah, so wenig ich darauf Anspruch machen konnte, es
    von Ihrer Hand zu erhalten, doch die unangenehme Furcht diesesmahl von Ihnen über=
    gangen zu seÿn, und desto größer war die Freude, als ich zu Hause das Gegentheil er=
    kannte. Für sehr eitel halte ich mich nicht; aber dennoch muß ich diese meine Eitelkeit, oder
    wenn Sie gütiger urtheilen wollen, diesen meinen Stolz gestehen, daß ich dieses Buch wie
    die frühern gerne von Ihnen haben wollte; nur halten Sie es nicht für eine Prätension;
    als solche betrachtet wäre es unerträglich.

    Ihre Denkwürdigkeiten regen so Unzähliges aus der frühern Zeit, auf welche man bisweilen
    doch gern zurückblickt, an, daß auch mich vieles darin [...]chst angenehm angeregt hat.
    Dies will ich einzeln nicht aufzählen; zum Theil sind es Dinge, die Sie schwerlich leicht er=
    rathen würden. Aber die Gedichte1 darf ich nicht vergessen; hier fand ich Sie wieder auf einem
    alten Felde, wo ich Sie zuerst kennen gelernt hatte, und wurde in eine frohe Jugendwelt
    zurückversetzt, mit welcher die jetzige wenig Aehnlichkeit mehr hat. Gelegentlich muß ich
    noch über andere Parthien reden, wenn ich das Glück habe Sie zu sehen, was lange sich nicht getroffen hat.

    Mit der herzlichsten Hochachtung und Verehrung  Böckh.

    Kommentare

    1 Varnhagens Denkwürdigkeiten enthalten neben Autobiographischem zur Jugendzeit, wie z.B. die Freundschaft zu Chamisso und die gemeinsame Herausgabe des Musenalmanachs, auch Gedichte von Varnhagen.

    Verehrtester Gönner!

    Alexander von Humboldt hatte mir eben Ihre Denkwürdigkeiten gegeben, als ich zu Hause kommend sie auch von Ihrer Güte vorfand. Ich bin Ihnen für wiederholte Geschenke schon vielfach verpflichtet; aber soll ich ganz unverholen und offenherzig reden, so hatte ich, als ich das Buch bei Humboldt sah, so wenig ich darauf Anspruch machen konnte, es von Ihrer Hand zu erhalten, doch die unangenehme Furcht diesesmahl von Ihnen übergangen zu seyn, und desto größer war die Freude, als ich zu Hause das Gegentheil erkannte. Für sehr eitel halte ich mich nicht; aber dennoch muß ich diese meine Eitelkeit, oder wenn Sie gütiger urtheilen wollen, diesen meinen Stolz gestehen, daß ich dieses Buch wie die frühern gerne von Ihnen haben wollte; nur halten Sie es nicht für eine Prätension; als solche betrachtet wäre es unerträglich.

    Ihre Denkwürdigkeiten regen so Unzähliges aus der frühern Zeit, auf welche man bisweilen doch gern zurückblickt, an, daß auch mich vieles darin chst angenehm angeregt hat. Dies will ich einzeln nicht aufzählen; zum Theil sind es Dinge, die Sie schwerlich leicht errathen würden. Aber die Gedichte1 darf ich nicht vergessen; hier fand ich Sie wieder auf einem alten Felde, wo ich Sie zuerst kennen gelernt hatte, und wurde in eine frohe Jugendwelt zurückversetzt, mit welcher die jetzige wenig Aehnlichkeit mehr hat. Gelegentlich muß ich noch über andere Parthien reden, wenn ich das Glück habe Sie zu sehen, was lange sich nicht getroffen hat.

    Mit der herzlichsten Hochachtung und Verehrung  Böckh.

    Kommentare

    1 Varnhagens Denkwürdigkeiten enthalten neben Autobiographischem zur Jugendzeit, wie z.B. die Freundschaft zu Chamisso und die gemeinsame Herausgabe des Musenalmanachs, auch Gedichte von Varnhagen.