Briefe und Texte
aus dem intellektuellen
Berlin um 1800

Brief von Ludwig Tieck an Friedrich von Raumer (Dresden, 6. Mai 1824)

 

 

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        Tieck an Raumer 6 Mai 18234 232
        Theuerster Freund,

        Hier der Schluß der Curiosität. Ich wünsche, Sie1 macht Ihnen einiges
        Vergnügen, Sie lachen, Sie ergötzen sich. Mißfällt Ihnen das
        kurze Wort über Friedrich nur nicht zu sehr. So geringfügig oft
        die Gegenstände sind, die ich behandle, so muß ich leider doch fordern,
        daß man jede meiner Geschichten wenigstens zweimal gelesen wird2,
        damit mir nicht Unrecht geschehe. Die Masse gewöhnlicher Leser will
        das nicht; aber schon schlimm genug, wenn dem ächten das erstemal
        manches langweilig u überflüssig vorkommt, womit er sich
        erst bei näherer Bekanntschaft versöhnen kann.

        Bester! Correktur! Es blutet mir die Seele, Sie dazu auf=
        zufordern, aber Sie haben sich fast freiwillig dazu anheischig
        gemacht. – Dann, sobald wie möglich, die Aushängebogen
        u mein Mscpt. um welches die Gräfinn bittet, – und
        das Honorar, welches mir die Berliner gleich versprechen. – Sie
        können nicht irren, wenn sie es wenigstens sieben Lagen taxiren,
        ich fürchte zu meinem Vergnügen, es werden acht. Mir ist es lieb: Wenn man acht annehmen wollte; fehlt am
        Mscpt. etwas Weniges: liesse sich denn das nicht im künftigen
        Jahre abziehen? Verfahren Sie darinn, wie Ihnen gut dünkt. Ich will die
        Com̄ission auch nicht drängen.
        Mann
        kan̄ unmöglich den Spas zu sehr mit der Scheere verschneiden.

        Warum haben Sie nicht schon wieder von Ihren treflichen
        Briefen hergeschickt?

        Wir sind alle gesund, hoffentl. Sie auch; wen̄ man so fleissig ist,
        wie ich es jezt sein muß, kan̄ man keine Briefe schreib. Ich [umarme] Sie.

        L. Tieck.

        Kommentare

        1 [sic]

        2 [sic]

        Theuerster Freund,

        Hier der Schluß der Curiosität. Ich wünsche, Sie1 macht Ihnen einiges Vergnügen, Sie lachen, Sie ergötzen sich. Mißfällt Ihnen das kurze Wort über Friedrich nur nicht zu sehr. So geringfügig oft die Gegenstände sind, die ich behandle, so muß ich leider doch fordern, daß man jede meiner Geschichten wenigstens zweimal gelesen wird2, damit mir nicht Unrecht geschehe. Die Masse gewöhnlicher Leser will das nicht; aber schon schlimm genug, wenn dem ächten das erstemal manches langweilig und überflüssig vorkommt, womit er sich erst bei näherer Bekanntschaft versöhnen kann.

        Bester! Correktur! Es blutet mir die Seele, Sie dazu aufzufordern, aber Sie haben sich fast freiwillig dazu anheischig gemacht. – Dann, sobald wie möglich, die Aushängebogen und mein Manuscript um welches die Gräfinn bittet, – und das Honorar, welches mir die Berliner gleich versprechen. – Sie können nicht irren, wenn sie es wenigstens sieben Lagen taxiren, ich fürchte zu meinem Vergnügen, es werden acht. Mir ist es lieb: Wenn man acht annehmen wollte; fehlt am Manuscript etwas Weniges: liesse sich denn das nicht im künftigen Jahre abziehen? Verfahren Sie darinn, wie Ihnen gut dünkt. Ich will die Commission auch nicht drängen. Man kann unmöglich den Spas zu sehr mit der Scheere verschneiden.

        Warum haben Sie nicht schon wieder von Ihren treflichen Briefen hergeschickt?

        Wir sind alle gesund, hoffentlich Sie auch; wenn man so fleissig ist, wie ich es jezt sein muß, kann man keine Briefe schreiben. Ich [umarme] Sie.

        L. Tieck.

        Kommentare

        1 [sic]

        2 [sic]