Lettres et textes:
Le Berlin intellectuel
des années 1800

Rapport annuel d'August Boeckh au ministère de l'Éducation et des Affaires culturelles (Berlin, 20 septembre 1819)

 

 

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99 99

Einem hohen Ministerium der geistlichen= Unterrichts-
und Medicinalangelegenheiten
beehrt sich der Unter-
zeichnete
den Jahresbericht über den Zustand des
philologischen Seminars im verflossenen akademischen
Jahre pflichtschuldigst zu erstatten.

I. Übersicht der Mitglieder.

Nach dem Abgange der im vorigen Jahresberichte
aufgeführten ordentlichen Mitglieder Ullrich, welcher
gegenwärtig bei der Königl. Bibliothek arbeitet, und
Fr. Gaupp und Ernst Gaupp, welche zur Vollendung
ihrer iuristischen Studien nach Göttingen gingen,
und der außerordentlichen Wölke, ietzigen Lehrers
an einem Gÿmnasium in dem Königreich Polen,
Reinhold, welcher in Jena als Privatdocent lebt,
und Trede, der in sein Vaterland Holstein zurückgegan=
gen ist, bleiben im Winter 1818-1819. von den
ältern ordentlichen Mitgliedern übrig:
1. Chr. Friedr. Neue von Spandau
2. Gottfr. Bernhardÿ von Landsberg an d. Warthe,
3. Fr. Gottl. Starke aus d. Herzogth. Sachsen,
4. Chr. Ernst Glasewald ebendaher,
5. Joh. Kreuser v. Köln,
6. Gust. Fr. Wilh. Fehmer aus Pom̄ern,
7. Aug. Koberstein aus Pom̄ern,
8. Fr. Zelle von Spandau:
wozu noch
9. Karl Heÿse aus d. Oldenburgischen
kam, welcher bisher außerordentliches Mitglied gewesen
war. Als außerordentliche Mitglieder blieben von
den frühern übrig:
1. Jos. Gassman̄ aus Wingerode bei Heiligenstadt,
2. Ge. Friedr. Marquard aus d. Mecklenburgischen,
wozu noch kamen:
3. Ferd. v. Freÿman̄ aus Livland,
4. Eberh. Wiens aus Westphalen,1
einige andere, welche sich noch gemeldet hatten, haben
so wenig Theil genom̄en, daß sie nicht genan̄t zu
werden verdienen.

Für das folgende Som̄erhalbeiahr blieben alle ge=
nan̄ten mit Ausschluss des Koberstein, welcher für
dieses Halbeiahr mit dem Vorbehalt wiederaufge=
nom̄en zu werden austrat; dagegen wurden noch
als ordentliche Mitglieder aufgenom̄en:
J. A. H. Lindner von Dessau,
Fr. Kritz aus dem Erfurtischen.

Als außerordentliche Mitglieder traten noch hinzu:
Fr. Paul aus Schwedt,
Carl Schmidt v. Hildesheim,
Wilh. Heindorf v. Berlin,
abgerechnet einige andere, welche sich zwar gemeldet
hatten, aber keinen besondern Antheil nahmen. So be=
stand daher das Seminar in dem abgelaufenen
Som̄er
aus 10 ordentlichen Mitgliedern, von welchen
iedoch drei, Starke, Zelle u Fehmer, aus verschiedenen
Gründen nicht dasienige, was zu fordern ist, leisteten;
der erste, weil er durch Schulgeschäfte, der andere,
weil er durch den Militärdienst verhindert wurde.
Die Zahl der außerordentlichen Mitglieder betrug nach
obigen Angaben 7.

Commentaires

1 Wiens stammte aus Burgsteinfurt.

II. Übungen des Seminars.

Diese wurden wie gewöhnlich regelmäßig angestellt.

1) Zur Interpretation legte Hr Prof. Buttmann das
erste Buch des Cicero de Nat. Deor. Juvenals
1. u 2. Satire und das zweite Buch der Ovidischen
Fasten vor; bei dem Unterzeichneten wurde in beiden
halben Jahren der Herodot behandelt.2

2) Folgende Abhandlungen wurden von den Mitgliedern
geliefert:
1. Von Koberstein: De exegetis sive monstratoribus
apud Graecos
.

2. Von Neue: Com̄entatio in Platonis Critonem.
3. Von demselben: Commentatio in Platonis
Menonem
.

4. Von Glasewald: Com̄entarius in Taciti Agri=
colam
.

5. Von demselben: In locos aliquot ex Ovidii
Fastis
.

6. Von Heÿse: In locos aliquot ex T. Livii
libro primo
.

7. Von demselben: Com̄entatio in D. Junii Juve=
nalis Satiram IV
.

8. Von Bernhardÿ: De Cÿrenis pars prima, zum zweiten mahl [...]3
9. Von demselben: De Cÿrenis pars secunda.
10. Von Starke: Quaeritur, quid de numinis
divini societate cum rebus humanis senserit
Herodotus, P.I.

11. Von Lindner: De Terentio Menandri imitatore
Com̄entatio
.

12. Von Kritz: Animadversiones ad Sallustii Catili-
nam
.

13. Von Kreuser: De Druidis.
14. Von demselben: De Eridane.

Die zwölf ersten Abhandlungen erfolgen in der Beilage;
von Kreuser habe ich seine Abhandlungen aller Erin=
nerungen u angewandter Mühe ungeachtet nicht er=
halten können, um sie einem hohen Ministerium
einzuliefern; und es ist ganz offenbar, daß er ver=
drießlich über die an denselben gerügten Fehler
sie mir absichtlich entzogen hat. Unter den übrigen
Abhandlungen ist die von Lindner, welcher noch ein
Anfänger ist, die schwächste: besser schon sind die von
Koberstein u Glasewald; die besten die von Neue,
Bernhardÿ, Heÿse u Starke.

3) Mündlich wurden wie gewöhnlich folgende Auf-
gaben
behandelt:
1. Explicetur locus Pausaniae Lacon. c.XI.
§.6. [...]
de cuius loci difficultate vide
Wesseling ad Herodot. IX,35.

2. Disputetur de loco Odÿss. [...], 70.

Commentaires

2 Es handelt sich wahrscheinlich um Herodots Historien.

3 Eine erste Fassung dieser Arbeit hatte Bernhardÿ bereits ein Jahr zuvor eingereicht, wie aus dem Jahresbericht 1818, S. 2, hervorgeht.

100 100
3. Quomodo restituendum sit oraculum apud
Schol. Pind. Pÿth. IV,10. [...] &c.

4. An recte iam emendatur sit locus Velleii
II, 48, 4. Huius animosufficere possent.

5. Quaeritur de loco Cic. Tusc. I,9. Nam et
agere animam
et ex animi sententia.

6. Emendetur fragmentum Pindaricum apud
Athenaeum X, p.411. B. [...] &c.

7. Emendetur fragmentum Pindaricum apud
Plutarchum de exilio c.9. [...]
etc.

8. Constituendum et explicandum propono
locem Taciti vit. Agric. c. 36. Interim
equitum turmae fugere
minimeque e-
questris
&c.

9. Explicetur Sophocles Trach. 56. [...]
10. Explicetur locus Cic. de Offic. I,5. §.15-17.
imprimis verba : Velut ex ea parte, quae
prima descripta est
inventio veri, et: Ut enim
quisque
haberi solet.

11. Apud Platonem Phaedon. 2. p.58. ed. Steph.
quaeritur an delendem sit [...].

12. Disputetur de Virg. Aeneid. I,8. Quo
numinde laeso.

13. Dicatur de ambiguitate loci Thucÿd.
I,3. [...]
&c.

14. Inquiratur in verba Thucÿdidis I,5.
[...] &c.

15. Disputetur de loco Thucÿdidis II,42.
extr. [...].

16. Quaeritur utrum verba in Ciceronis
de Off. III, §.83. Capitalis Eteoclesexce-
perit
, bene se habeant necne.

17. Disputetur de loco Cic. Off. I,1. Quam-
quam te, Marce fili
— — ut par sis
in utriusque orationis facultate
.

18. Disseratur de verbis Ciceronis de
nat. deor.
I,23. extr. Quae primum
multae sunt
— — ista enim flagitia
Democriti
.

19. Proponitur Tac. German. C.28. Ne
ubii quidem
— — non ut custodirentur.

20. At disputandum proponitur Sallust: Catil.
3. Ac me cum ab reliquorum malis moribus
— — invidia vexabat.

21. Dicatur de Sallust: Catil. 31. Ad hoc
mulieres
— — afflictare sese.

22. Constituatur lectio ap. Tacit. Agric. c.6.
Ludos et inania honoris modo rationis
atque abundantiae duxit.

23. Quaeritur quomodo intelligenda sint verba
Virgil. Aen. VI, 7.8. Pars densa ferarum tecta
rapit
&c.

24. Constituendum propono locum Luciani A-
mor.
42. [...]

25. Quaeritur quid videatur de loco apud
Aeschÿl. Agam. 1017. [...]

26. Aeschÿli locum Agam. 250. [...] &c.
interpretandum propono.

27. Constituatur significatio verborum Molli
fulta pede est
ap. Hor. Sat. I,2,88.

28. Quid statuendum est de loco illo Aristo-
telis
art. poet. C.1. §.12. ed. Herm. [...]

29. Dicatur de Eurip. Hecub. 165. [...]
30. Disputetur de Platonis Criton. p.45. extr.
[...]

31. Dicatur de Thuc. II,83. [...].
32. Quaeritur quid videatur de loco Cicero-
nis
Epist. ad. Q. Fr. III,2. Interim ipso
decimo die
— — introducti publicani.

III. Zuerkan̄te Prämien.

In dem Winterhalbeniahre ertheilte ein hohes Mi=
nisterium
auf des Unterzeichneten Antrag durch
das Rescript vom 9. April dem Neue, Bernhardÿ,
Starke, Glasewald, Kreuser, Koberstein und
Heÿse, iedem eine Unterstützung von 25 rl, und
dem Gustav Fehmer aus Pom̄ern 20 rl. Der
letztgenan̄te hatte noch keine Abhandlung ge=
liefert, wurde aber seines übrigen Eifers wegen
würdig geachtet, zu einer Prämie empfohlen zu
werden; da er indeß auch im vergangenen Som̄er
noch keine schriftliche Arbeit eingereicht hat,
habe ich ihn in den Vorschlägen für dieses
Halbeiahr übergangen und nur die Studiosen
Neue, Bernhardÿ, Glasewald, Kreuser, Heÿse,
Lindner, u Kritz, ieden zu einer Prämie von

101 101
25 rl ehrerbietigst empfohlen; worauf das hohe
Ministerium durch das Rescript vom 23. August
denselben diese Unterstützung zuerkan̄t hat.
Außerdem genehmigte dasselbe unter dem 26.
October 1818.
den Vorschlag des Directors, dem
ietzo zu Halle befindlichen Dr. Meier aus
den frühern Ersparnissen der Gelder des Semi=
nars
50 rl zur Beihülfe zu den Promo=
tionskosten zu bewilligen. Auch ietzo ist noch
ein Überschuß von 50 rl vorhanden, der ent=
weder auf dieselbe Art oder zur Vermehrung
der Prämien in einem etwa sich ergebenden
geeigneten Falle in Zukunft angewandt werden kan̄.

IV. In̄erer Zustand des Seminars.

Dieser ist im Ganzen genom̄en seit dem vorigen Jahre
sich gleich geblieben, außer daß einige der ältern
Mitglieder, nahmentlich Neue u Bernhardÿ bereits
bedeutend vorgeschritten sind, und auch etliche der
neuen, wie Heÿse u Kritz, zu sehr guten Hoff=
nungen berechtigen: auch haben die meisten lobens=
werten Fleiß u Eifer bewiesen; die Ausnahmen
sind oben bei der Übersicht der Mitglieder be=
rührt worden. Über den Stud. Kreuser habe
ich im Auftrage eines hohen Ministeriums
unter dem 31. Mai 1819. besonders berichtet;
der Zweck aber, welchen dasselbe durch die
nach dem Rescript vom 15. Juni d. J. ihm
verliehene weitere Unterstützung und die mir
aufgetragene Ermahnung desselben u die Lei=
tung seiner Studien hat erreichen wollen,
ist nicht erreicht worden, da Hr Kreuser
nunmehr abgegangen ist, und von der ihm
eröffneten Aussicht noch ein ferneres Jahr
die huldvoll ihm gegebene Unterstützung zu
empfangen, sich nicht hat wollen halten lassen.
Seinen letzten Reden nach scheint er dem Schul=
fache sich gänzlich entziehen zu wollen.

Zu der im vorigen Jahresberichte erhobenen Klage
über die schlechte Latinität ist in Bezug auf das
Seminar für dieses Jahr kein bedeutender Anlaß
vorhanden; und obgleich der in der Beilage zu
dem voriährigen Berichte geäußerte Wunsch,
es möchte ein Repetent für das philologische
Seminar
angestellt werden, wiederholt werden
kan̄, so trage ich doch gegenwärtig Bedenken,
darauf anzutragen, da mir ietzo kein dazu
geeigneter iunger Man̄ bekan̄t ist, nachdem der
im vorigen Jahre von mir vorgeschlagene Dr.
Carl Müller
durch seine Berufung an die Universität
Göttingen
als außerordentl. Professor der alten
Litteratur, eine für seine Ausbildung vortheil=
hafte Stelle erhalten hat.

a  der Director des philologischen
Seminars
der hiesigen
Universität.

Böckh.

a mund. d. 15 [...]
Wernicke

a

Einem hohen Ministerium der geistlichen= Unterrichts- und Medicinalangelegenheiten beehrt sich der Unterzeichnete den Jahresbericht über den Zustand des philologischen Seminars im verflossenen akademischen Jahre pflichtschuldigst zu erstatten.

I. Übersicht der Mitglieder.

Nach dem Abgange der im vorigen Jahresberichte aufgeführten ordentlichen Mitglieder Ullrich, welcher gegenwärtig bei der Königlichen Bibliothek arbeitet, und Friedrich Gaupp und Ernst Gaupp, welche zur Vollendung ihrer iuristischen Studien nach Göttingen gingen, und der außerordentlichen Wölke, ietzigen Lehrers an einem Gymnasium in dem Königreich Polen, Reinhold, welcher in Jena als Privatdocent lebt, und Trede, der in sein Vaterland Holstein zurückgegangen ist, bleiben im Winter 1818-1819. von den ältern ordentlichen Mitgliedern übrig:
1. Christian Friedrich Neue von Spandau
2. Gottfried Bernhardy von Landsberg an der Warthe,
3. Friedrich Gottlob Starke aus dem Herzogthum Sachsen,
4. Christian Ernst Glasewald ebendaher,
5. Johann Kreuser von Köln,
6. Gustav Friedrich Wilhelm Fehmer aus Pommern,
7. August Koberstein aus Pommern,
8. Friedrich Zelle von Spandau:
wozu noch
9. Karl Heyse aus dem Oldenburgischen
kam, welcher bisher außerordentliches Mitglied gewesen war. Als außerordentliche Mitglieder blieben von den frühern übrig:
1. Josef Gassmann aus Wingerode bei Heiligenstadt,
2. Georg Friedrich Marquard aus dem Mecklenburgischen,
wozu noch kamen:
3. Ferdinand von Freymann aus Livland,
4. Eberhard Wiens aus Westphalen,1
einige andere, welche sich noch gemeldet hatten, haben so wenig Theil genommen, daß sie nicht genannt zu werden verdienen.

Für das folgende Sommerhalbeiahr blieben alle genannten mit Ausschluss des Koberstein, welcher für dieses Halbeiahr mit dem Vorbehalt wiederaufgenommen zu werden austrat; dagegen wurden noch als ordentliche Mitglieder aufgenommen:
Johann August Heinrich Lindner von Dessau,
Friedrich Kritz aus dem Erfurtischen.

Als außerordentliche Mitglieder traten noch hinzu:
Friedrich Paul aus Schwedt,
Carl Schmidt von Hildesheim,
Wilhelm Heindorf von Berlin,
abgerechnet einige andere, welche sich zwar gemeldet hatten, aber keinen besondern Antheil nahmen. So bestand daher das Seminar in dem abgelaufenen Sommer aus 10 ordentlichen Mitgliedern, von welchen iedoch drei, Starke, Zelle und Fehmer, aus verschiedenen Gründen nicht dasienige, was zu fordern ist, leisteten; der erste, weil er durch Schulgeschäfte, der andere, weil er durch den Militärdienst verhindert wurde. Die Zahl der außerordentlichen Mitglieder betrug nach obigen Angaben 7.

a 99

Commentaires

1 Wiens stammte aus Burgsteinfurt.

II. Übungen des Seminars.

Diese wurden wie gewöhnlich regelmäßig angestellt.

1) Zur Interpretation legte Herr Professor Buttmann das erste Buch des Cicero de Natura Deorum Juvenals 1. und 2. Satire und das zweite Buch der Ovidischen Fasten vor; bei dem Unterzeichneten wurde in beiden halben Jahren der Herodot behandelt.2

2) Folgende Abhandlungen wurden von den Mitgliedern geliefert:
1. Von Koberstein: De exegetis sive monstratoribus apud Graecos.
2. Von Neue: Commentatio in Platonis Critonem.
3. Von demselben: Commentatio in Platonis Menonem.
4. Von Glasewald: Commentarius in Taciti Agricolam.
5. Von demselben: In locos aliquot ex Ovidii Fastis.
6. Von Heyse: In locos aliquot ex T. Livii libro primo.
7. Von demselben: Commentatio in D. Junii Juvenalis Satiram IV.
8. Von Bernhardy: De Cyrenis pars prima, zum zweiten mahl [...]3
9. Von demselben: De Cyrenis pars secunda.
10. Von Starke: Quaeritur, quid de numinis divini societate cum rebus humanis senserit Herodotus, P.I.
11. Von Lindner: De Terentio Menandri imitatore Commentatio.
12. Von Kritz: Animadversiones ad Sallustii Catilinam.
13. Von Kreuser: De Druidis.
14. Von demselben: De Eridane.

Die zwölf ersten Abhandlungen erfolgen in der Beilage; von Kreuser habe ich seine Abhandlungen aller Erinnerungen und angewandter Mühe ungeachtet nicht erhalten können, um sie einem hohen Ministerium einzuliefern; und es ist ganz offenbar, daß er verdrießlich über die an denselben gerügten Fehler sie mir absichtlich entzogen hat. Unter den übrigen Abhandlungen ist die von Lindner, welcher noch ein Anfänger ist, die schwächste: besser schon sind die von Koberstein und Glasewald; die besten die von Neue, Bernhardy, Heyse und Starke.

3) Mündlich wurden wie gewöhnlich folgende Aufgaben behandelt:
1. Explicetur locus Pausaniae Lacon. c.XI. §.6. [...] de cuius loci difficultate vide Wesseling ad Herodot. IX,35.
2. Disputetur de loco Odyss. [...], 70.

Commentaires

2 Es handelt sich wahrscheinlich um Herodots Historien.

3 Eine erste Fassung dieser Arbeit hatte Bernhardy bereits ein Jahr zuvor eingereicht, wie aus dem Jahresbericht 1818, S. 2, hervorgeht.

a 3. Quomodo restituendum sit oraculum apud Schol. Pind. Pyth. IV,10. [...] &c.
4. An recte iam emendatur sit locus Velleii II, 48, 4. Huius animosufficere possent.
5. Quaeritur de loco Cic. Tusc. I,9. Nam et agere animamet ex animi sententia.
6. Emendetur fragmentum Pindaricum apud Athenaeum X, p.411. B. [...] &c.
7. Emendetur fragmentum Pindaricum apud Plutarchum de exilio c.9. [...] etc.
8. Constituendum et explicandum propono locem Taciti vit. Agric. c. 36. Interim equitum turmae fugereminimeque equestris &c.
9. Explicetur Sophocles Trach. 56. [...]
10. Explicetur locus Cic. de Offic. I,5. §.15-17. imprimis verba : Velut ex ea parte, quae prima descripta estinventio veri, et: Ut enim quisquehaberi solet.
11. Apud Platonem Phaedon. 2. p.58. ed. Steph. quaeritur an delendem sit [...].
12. Disputetur de Virg. Aeneid. I,8. Quo numinde laeso.
13. Dicatur de ambiguitate loci Thucyd. I,3. [...] &c.
14. Inquiratur in verba Thucydidis I,5. [...] &c.
15. Disputetur de loco Thucydidis II,42. extr. [...].
16. Quaeritur utrum verba in Ciceronis de Off. III, §.83. Capitalis Eteoclesexceperit, bene se habeant necne.
17. Disputetur de loco Cic. Off. I,1. Quamquam te, Marce fili — — ut par sis in utriusque orationis facultate.
18. Disseratur de verbis Ciceronis de nat. deor. I,23. extr. Quae primum multae sunt — — ista enim flagitia Democriti.
19. Proponitur Tac. German. C.28. Ne ubii quidem — — non ut custodirentur.

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20. At disputandum proponitur Sallust: Catil. 3. Ac me cum ab reliquorum malis moribus — — invidia vexabat.
21. Dicatur de Sallust: Catil. 31. Ad hoc mulieres — — afflictare sese.
22. Constituatur lectio ap. Tacit. Agric. c.6. Ludos et inania honoris modo rationis atque abundantiae duxit.
23. Quaeritur quomodo intelligenda sint verba Virgil. Aen. VI, 7.8. Pars densa ferarum tecta rapit &c.
24. Constituendum propono locum Luciani Amor. 42. [...]
25. Quaeritur quid videatur de loco apud Aeschyl. Agam. 1017. [...]
26. Aeschyli locum Agam. 250. [...] &c. interpretandum propono.
27. Constituatur significatio verborum Molli fulta pede est ap. Hor. Sat. I,2,88.
28. Quid statuendum est de loco illo Aristotelis art. poet. C.1. §.12. ed. Herm. [...]
29. Dicatur de Eurip. Hecub. 165. [...]
30. Disputetur de Platonis Criton. p.45. extr. [...]
31. Dicatur de Thuc. II,83. [...].
32. Quaeritur quid videatur de loco Ciceronis Epist. ad. Q. Fr. III,2. Interim ipso decimo die — — introducti publicani.

III. Zuerkannte Prämien.

In dem Winterhalbeniahre ertheilte ein hohes Ministerium auf des Unterzeichneten Antrag durch das Rescript vom 9. April dem Neue, Bernhardy, Starke, Glasewald, Kreuser, Koberstein und Heyse, iedem eine Unterstützung von 25 Reichsthaler, und dem Gustav Fehmer aus Pommern 20 Reichsthaler. Der letztgenannte hatte noch keine Abhandlung geliefert, wurde aber seines übrigen Eifers wegen würdig geachtet, zu einer Prämie empfohlen zu werden; da er indeß auch im vergangenen Sommer noch keine schriftliche Arbeit eingereicht hat, habe ich ihn in den Vorschlägen für dieses Halbeiahr übergangen und nur die Studiosen Neue, Bernhardy, Glasewald, Kreuser, Heyse, Lindner, und Kritz, ieden zu einer Prämie von

a25 Reichsthaler ehrerbietigst empfohlen; worauf das hohe Ministerium durch das Rescript vom 23. August denselben diese Unterstützung zuerkannt hat. Außerdem genehmigte dasselbe unter dem 26. October 1818. den Vorschlag des Directors, dem ietzo zu Halle befindlichen Dr. Meier aus den frühern Ersparnissen der Gelder des Seminars 50 Reichsthaler zur Beihülfe zu den Promotionskosten zu bewilligen. Auch ietzo ist noch ein Überschuß von 50 Reichsthaler vorhanden, der entweder auf dieselbe Art oder zur Vermehrung der Prämien in einem etwa sich ergebenden geeigneten Falle in Zukunft angewandt werden kann.

IV. Innerer Zustand des Seminars.

Dieser ist im Ganzen genommen seit dem vorigen Jahre sich gleich geblieben, außer daß einige der ältern Mitglieder, nahmentlich Neue und Bernhardy bereits bedeutend vorgeschritten sind, und auch etliche der neuen, wie Heyse und Kritz, zu sehr guten Hoffnungen berechtigen: auch haben die meisten lobenswerten Fleiß und Eifer bewiesen; die Ausnahmen sind oben bei der Übersicht der Mitglieder berührt worden. Über den Studiosus Kreuser habe ich im Auftrage eines hohen Ministeriums unter dem 31. Mai 1819. besonders berichtet; der Zweck aber, welchen dasselbe durch die nach dem Rescript vom 15. Juni des Jahres ihm verliehene weitere Unterstützung und die mir aufgetragene Ermahnung desselben und die Leitung seiner Studien hat erreichen wollen, ist nicht erreicht worden, da Herr Kreuser nunmehr abgegangen ist, und von der ihm eröffneten Aussicht noch ein ferneres Jahr die huldvoll ihm gegebene Unterstützung zu empfangen, sich nicht hat wollen halten lassen. Seinen letzten Reden nach scheint er dem Schulfache sich gänzlich entziehen zu wollen.

Zu der im vorigen Jahresberichte erhobenen Klage über die schlechte Latinität ist in Bezug auf das Seminar für dieses Jahr kein bedeutender Anlaß vorhanden; und obgleich der in der Beilage zu dem voriährigen Berichte geäußerte Wunsch, es möchte ein Repetent für das philologische Seminar angestellt werden, wiederholt werden kann, so trage ich doch gegenwärtig Bedenken, darauf anzutragen, da mir ietzo kein dazu geeigneter iunger Mann bekannt ist, nachdem der im vorigen Jahre von mir vorgeschlagene Dr. Carl Müller durch seine Berufung an die Universität Göttingen als außerordentlicher Professor der alten Litteratur, eine für seine Ausbildung vortheilhafte Stelle erhalten hat.

 der Director des philologischen Seminars der hiesigen Universität. Böckh.

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