Lettres et textes:
Le Berlin intellectuel
des années 1800

Lettre de Henriette von Finckenstein à Friedrich von Raumer (Dresde, 4 novembre 1836)

 

 

Scan Version dipl. Version de lecture Métadonnées Entités XML Scan Version dipl. Version de lecture Métadonnées Entités XML
 
 

Personnes apparaissant dans ce manuscrit

Groupes apparaissant dans ce manuscrit

    Œuvres évoquées dans ce manuscrit

      Lieux figurant dans ce manuscrit

      Facsimile coming soon

      Facsimile coming soon

      Facsimile coming soon

      Facsimile coming soon

      Bibliothèque d'État de Berlin / Section des manuscrits
      Réutilisation uniquement sur autorisation de la Bibliothèque d'État de Berlin

      267

      Heute erhielt Tieck, Ihren letzten Brief, mein
      theurer Freund, und obgleich, schon der Anblick
      Ihrer Hand, uns immer eine wahre Freude
      ist, so machte uns dieser einen trüben Eindruck schien da uns doch der Ton Ihres Briefes
      nicht ganz so heiter schien, wie wir es an Ihnen, gewohnt
      sind, und dies betrübt uns doppelt, da, noch ein
      langer Winter, zwischen der Zeit unseres
      Wiedersehens, mit Ihnen, mein therer Freund,
      sich unfreundlich ausdehnt. Auch Tieck, ist sehr
      traurig darüber! O! welche Erheiterung und
      Kräftigung wäre es nicht für sie beide,
      sich wiederjetzt wieder so recht, über Vieles mit
      einander auszusprechen; – – Tieck hofft nun, Ihnen
      recht bald zu sprecschreiben, er hätte es schon längst ge=
      than, aber seine Schmerzen machen es ihm ja sehr beschwer=
      lich, und das verstim̄t ihn, den̄, auch seine vielfachen
      Arbeiten drängen ihn sehr, aber dies wechselnde Wetter,
      (oder viel-mehr der Winter) hatte seine Gicht
      doch etwas aufgeregt, indessen hoffe ich, soll
      essie sich bald wieder beruhigen, aber, auf seine
      Stim̄ung hat alles dies, doch gar vielen Einfluß, und leider muß
      Tieck, sich wohl und heiter fühlen, wenn er Briefe schrei=
      ben soll, das kennen Sie ja auch an ihm.

      Aber, lassen Sie mich nun, um für Sie, diesen langwei=
      ligen Brief, nicht zu-weit auszudehnen, zur nächsten
      Veranlassung dieses Briefes desselben kom̄en.

      Es betrifft nähmlich, das den Vorschlag des Grafen

      Jorck, wegen Tiecks Biblioteck, der Graf schreibt
      gestern wieder deshalb an Tieck, und wieder=
      holt seinen Vorschlag, des Capitals von 6000 [rt]
      sobald die Biblioteck in seinen Händen ist.1
      Ferner sagt er in dem Briefe, könnten alsdann die
      Töchter gleich eine jede, 1000 [rt], kündigen,
      und die noch übrig bleibenden 4000 [rt] wolle
      er wie die ersten 2000 [r] auch, mit 5 Pro. halbjährig verzinsen. Nun
      ist die Sache aber uns etwas dunkel, es scheint
      mir, als wolle der Graf dies Capital ihnen
      zwar verzinsen, so lange sie lebten, aber
      nie könnte es von ihnen, als ihr Eigenthum, gekündigt
      werden, und einmal ihnen, Erben, verbleiben, folg=
      lich bliebe es also nur eine Leibrente, und nicht
      der Töchter [unverschränktes] Eigenthum
      , wie die ersten 2000 [rt]. Die Sache aber
      so einzugehen, wäre durchaus für Tieck
      und die Seinen, nachtheilig, und ich würde nie da=
      zu rathen, und gewiß auch Sie nicht, denn, ich
      bin fest überzeugt, daß, die Töchter, nach
      des Vaters Tode, im Besitz dieser herlichen
      Büchersam̄lung, wenn sie sich nur Zeit u Ge=
      legenheit benutzen, weit mehr, wie 6000 [rt]
      bekommen können. Aber auch die Sicherstellung des Capitals, bis zur Auszahlung muß sehr klar
      im Contrakt bestim̄t werden.

      Mein AAnsicht der Sache ist daß[aber] die, daß sich Tieck,
      nur auf diese Sache einlassen kann, wenn im
      Gerichtlichen Contrakt klar ausgesprochen,

      Commentaires

      1 Auch in dem kurze Zeit später, am 11. November 1836, verfassten Brief von Tieck an Raumer (S.2ff.) geht es um den geplanten Verkauf von Tiecks Büchersammlung. Zur virtuellen Rekonstruktion von Tiecks Bibliothek und zum Verbleib der einzelnen Bände vgl. das FWF-Projekt Ludwig Tiecks Bibliothek. Anatomie einer romantisch-komparatistischen Büchersammlung. Universität Wien, Abteilung für Vergleichende Literaturwissenschaft, Projektleitung: Univ.-Prof. Dr. Achim Hölter, M.A.

      268
      ist, daß die Töchter einst, in völligen Besitz der
      6000 [rt] für sich selbst, und für ihre Erben
      verbleiben. Über die Zahlungs Termine
      des Capitals können sich ja, der
      Graf und Tieck, dann noch näher
      besprechen, und die Zeiten bestim̄en.

      Ich habe nun Tieck gerathen, dem
      Grafen zu antworten, damit der
      dunkle Punkt, wegen den 4000 [rt]
      sich gehörig aufkläre, und diesen Brief
      dann Ihnen, mein werther Freund,
      offen zuzusenden, damit Sie dies Geschäft
      für ihn führen können, denn, es ist
      ein Geldgeschäft, und ein sehr wichtiges,
      bei dem man nicht vorsichtig
      genug [seyn] verfahren kann.

      ([Stempel:] Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz)

      Daß ich wünsche, Sie möchten diesen Brief
      ganz geheimhalten, werden Sie begreifen,
      besser ist es wohl, ihn gleich zu ver=
      nichten. Ich möchte nicht gern, als in diese
      Sache mich einmischend erscheinen. Auch schrieb
      ich Ihnen nur über diese Sachealles Obige, damit ihren
      Lage Ihnen alles ganz vollkom̄en bekannt würde, sollte
      ich irren, nun so braucht man ja dem Graf=
      fen
      gar nicht zu sagen, wie man ihn

      , wegen der Rente, u der 4000 [rt] misverstanden habe;
      und so das Geschäft ganz klar
      fort führen und beschliessen.

      Gestern sahen wir Frau von Lüttichau
      wieder bei uns, u recht wohl. Aber
      auch sie sagt uns leider, daß Sie,
      mein theurer Freund, nicht ganz
      heiter wären. O! mein Freund, wie=
      derstehen Sie ja, mit aller Kraft
      des Geistes, diesem ärgsten [Freunde Feinde],
      der unser Leben untergräbt, u zer=
      stört, Sehen Sie alles nur für eine
      vorübergehende trübe Stim̄ung an, damit
      Sie nur das Unangenehme, [u] was gewiß
      von Aussen auf Sie einstürmt, nicht zu
      wichtig neu schwer nehmen. Man schadet sich
      dadurch zu sehr an Geist und Körper,
      o! ich habe es zu oft an mir selbst
      erfahren.

      Nun wenn Sie vor diesem langen Briefe
      nicht erschrecken, dann haben Sie viel Muth, ich
      wünsche nur, daß Sie nicht, wie Löbel, Tiecks u
      meine Hand so ähnlich [sind u]finden, u gar vor
      dem Öffnen des Briefes glauben, er sey von Tieck,
      nein, das wäre eine zu arge Täuschung.

      Leben Sie wohl theurer Freund.
      Ihre Henriette. von
      Finkenstein

      Heute erhielt Tieck, Ihren letzten Brief, mein theurer Freund, und obgleich, schon der Anblick Ihrer Hand, uns immer eine wahre Freude ist, so machte uns dieser einen trüben Eindruck da uns der Ton Ihres Briefes nicht ganz so heiter schien, wie wir es an Ihnen, gewohnt sind, und dies betrübt uns doppelt, da, noch ein langer Winter, zwischen der Zeit unseres Wiedersehens, mit Ihnen, mein therer Freund, sich unfreundlich ausdehnt. Auch Tieck, ist sehr traurig darüber! O! welche Erheiterung und Kräftigung wäre es nicht für sie beide, sich jetzt wieder so recht, über Vieles mit einander auszusprechen; – – Tieck hofft nun, Ihnen recht bald zu schreiben, er hätte es schon längst gethan, aber seine Schmerzen machen es ihm ja sehr beschwerlich, und das verstimmt ihn, denn, auch seine vielfachen Arbeiten drängen ihn sehr, aber dies wechselnde Wetter, (oder viel-mehr der Winter) hatte seine Gicht doch etwas aufgeregt, indessen hoffe ich, soll sie sich bald wieder beruhigen, aber, auf seine Stimmung hat alles dies, gar vielen Einfluß, und leider muß Tieck, sich wohl und heiter fühlen, wenn er Briefe schreiben soll, das kennen Sie ja auch an ihm.

      Aber, lassen Sie mich nun, um für Sie, diesen langweiligen Brief, nicht zu-weit auszudehnen, zur nächsten Veranlassung desselben kommen.

      Es betrifft nähmlich, den Vorschlag des Grafen

      Jorck, wegen Tiecks Biblioteck, der Graf schreibt gestern wieder deshalb an Tieck, und wiederholt seinen Vorschlag, des Capitals von 6000 [Reichsthalern] sobald die Biblioteck in seinen Händen ist.1 Ferner sagt er in dem Briefe, könnten alsdann die Töchter gleich eine jede, 1000 [Reichsthaler], kündigen, und die noch übrig bleibenden 4000 [Reichsthaler] wolle er wie die ersten 2000 [Reichsthaler] auch, mit 5 Prozent halbjährig verzinsen. Nun ist die Sache aber uns etwas dunkel, es scheint mir, als wolle der Graf dies Capital ihnen zwar verzinsen, so lange sie lebten, aber nie könnte es von ihnen, als ihr Eigenthum, gekündigt werden, und einmal ihnen, Erben, verbleiben, folglich bliebe es also nur eine Leibrente, und nicht der Töchter [unverschränktes] Eigenthum , wie die ersten 2000 [Reichsthaler]. Die Sache aber so einzugehen, wäre durchaus für Tieck und die Seinen, nachtheilig, und ich würde nie dazu rathen, und gewiß auch Sie nicht, denn, ich bin fest überzeugt, daß, die Töchter, nach des Vaters Tode, im Besitz dieser herlichen Büchersammlung, wenn sie nur Zeit und Gelegenheit benutzen, weit mehr, wie 6000 [Reichsthaler] bekommen können. Aber auch die Sicherstellung des Capitals, bis zur Auszahlung muß sehr klar im Contrakt bestimmt werden.

      Mein Ansicht der Sache ist [aber] die, daß sich Tieck, nur auf diese Sache einlassen kann, wenn im Gerichtlichen Contrakt klar ausgesprochen,

      Commentaires

      1 Auch in dem kurze Zeit später, am 11. November 1836, verfassten Brief von Tieck an Raumer (S.2ff.) geht es um den geplanten Verkauf von Tiecks Büchersammlung. Zur virtuellen Rekonstruktion von Tiecks Bibliothek und zum Verbleib der einzelnen Bände vgl. das FWF-Projekt Ludwig Tiecks Bibliothek. Anatomie einer romantisch-komparatistischen Büchersammlung. Universität Wien, Abteilung für Vergleichende Literaturwissenschaft, Projektleitung: Univ.-Prof. Dr. Achim Hölter, M.A.

      ist, daß die Töchter einst, in völligen Besitz der 6000 [Reichsthaler] für sich selbst, und für ihre Erben verbleiben. Über die Zahlungs Termine des Capitals können sich ja, der Graf und Tieck, dann noch näher besprechen, und die Zeiten bestimmen.

      Ich habe nun Tieck gerathen, dem Grafen zu antworten, damit der dunkle Punkt, wegen den 4000 [Reichsthaler] sich gehörig aufkläre, und diesen Brief dann Ihnen, mein werther Freund, offen zuzusenden, damit Sie dies Geschäft für ihn führen können, denn, es ist ein Geldgeschäft, und ein sehr wichtiges, bei dem man nicht vorsichtig genug verfahren kann.

      Daß ich wünsche, Sie möchten diesen Brief ganz geheimhalten, werden Sie begreifen, besser ist es wohl, ihn gleich zu vernichten. Ich möchte nicht gern, als in diese Sache mich einmischend erscheinen. Auch schrieb ich Ihnen nur alles Obige, damit ihren Ihnen alles ganz vollkommen bekannt würde, sollte ich irren, nun so braucht man ja dem Grafen gar nicht zu sagen, wie man ihn

      , wegen der Rente, und der 4000 [Reichsthaler] misverstanden habe; und so das Geschäft ganz klar fort führen und beschliessen.

      Gestern sahen wir Frau von Lüttichau wieder bei uns, und recht wohl. Aber auch sie sagt uns leider, daß Sie, mein theurer Freund, nicht ganz heiter wären. O! mein Freund, wiederstehen Sie ja, mit aller Kraft des Geistes, diesem ärgsten [ Feinde], der unser Leben untergräbt, und zerstört, Sehen Sie alles nur für eine vorübergehende trübe Stimmung an, damit Sie nur das Unangenehme, [und] was gewiß von Aussen auf Sie einstürmt, nicht zu wichtig und schwer nehmen. Man schadet sich dadurch zu sehr an Geist und Körper, o! ich habe es zu oft an mir selbst erfahren.

      Nun wenn Sie vor diesem langen Briefe nicht erschrecken, dann haben Sie viel Muth, ich wünsche nur, daß Sie nicht, wie Löbel, Tiecks und meine Hand so ähnlich finden, und gar vor dem Öffnen des Briefes glauben, er sey von Tieck, nein, das wäre eine zu arge Täuschung.

      Leben Sie wohl theurer Freund. Ihre Henriette. von Finkenstein